Österreichischer Wortspiel-Rückblick #21

„De G’frastsackl’n im Parlament kenan mi fest am Orsch leck’n, mit ernan scheiß Krieg. I zoi net mehr für den scheiß Sprit.“

Ü: Die korrupten Politiker im Parlament können mich gepflegt am Arsch lecken mit ihrem Krieg. Ich zahle diesen überteuerten Sprit nicht mehr.

Wiener Realitätskern:

Der Wiener spricht diesen Satz normalerweise kurz vor oder während des Tankens aus.

Das ist wichtig. Er steht an der Zapfsäule, schaut auf den Preis, der gerade wieder um ein paar Cent gestiegen ist, und plötzlich verwandelt sich die Zapfsäule in ein politisches Rednerpult.

„G’frastsackl“ ist im Wienerischen keine gewöhnliche Beleidigung.

Es beschreibt eine Person, bei der moralische Integrität ungefähr so häufig vorkommt wie Ehrlichkeit in einer Ölpreisprognose.

Der Wiener unterstellt damit, dass im Parlament eine Sammlung politischer Figuren sitzt, deren Hauptkompetenz darin besteht, Konflikte irgendwo auf der Welt in Preisaufschläge an der heimischen Tankstelle zu verwandeln.

Der zweite Teil des Satzes – „I zoi net mehr“ – ist dabei besonders wichtig.

Denn er ist eine klassische Wiener Drohung.

Sie bedeutet nicht, dass der Wiener tatsächlich aufhört zu zahlen.

Sie bedeutet: Er zahlt – aber unter maximalem Protest.

Für Menschen mit Matura/Abitur:

„Ich lehne die gegenwärtige Preisentwicklung im Zusammenhang mit geopolitischen Konflikten entschieden ab und empfinde die politische Kommunikation dazu als unzureichend und unglaubwürdig.“

Sinn & soziale Funktion:

Der Satz erfüllt im Wiener Alltag mehrere Aufgaben gleichzeitig:

– emotionaler Druckabbau an der Tankstelle

– symbolischer Widerstand gegen politische Entscheidungen

– soziale Verständigung unter anderen Autofahrern

Er signalisiert:

– Vertrauen in die Politik: null

– Verständnis für Preisbildung: ebenfalls null

– Bereitschaft weiterzufahren: leider sehr hoch

2026 – LinkedIn Deluxe Management Edition:

„Die aktuelle Entwicklung der Energiepreise zeigt einmal mehr, wie stark geopolitische Spannungsfelder unsere lokalen Mobilitätsökosysteme beeinflussen. Gleichzeitig eröffnet diese Situation die Chance, unsere persönliche Resilienz im Umgang mit volatilen Marktmechanismen zu stärken und neue Perspektiven auf nachhaltige Mobilitätsstrategien zu entwickeln.“

2026 – Dönerbuden-Hinterhof-Alpha-Soziolekt:

„Ey Aldda… Westen macht Krieg gegen Brudda und alles gleisch voll teuer, ey! Goldkette kostet wie V8! Wie soll isch Ischtatus halten so, Digga? Wallah, glaubst du, fahrisch scheiß U-Bahn jetz oder was?”


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Tom Weber

Tom Weber – Beruf: Störenfried. Diagnose: chronisch allergisch gegen Heuchelei, Doppelmoral und staatlich geprüften Schwachsinn. Schreibt auf dem Strafplaneten über alles, was im offiziellen Irrenhaus als „normal“ gilt – und daher dringend untersucht werden muss

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