Wenn Armin Wolf merkt, dass ihm die Schafe davonlaufen
Es ist ein herrlicher Anblick, wenn sich die gottgleiche Hoheit des staatlich subventionierten Inquisitionsfernsehens in der Kronen Zeitung zum runden Geburtstag beweihräuchern lässt. Armin Wolf wird 60 Jahre alt – und statt wie ein weiser Mann leise in Rente zu gehen, nutzt er das Geburtstagsgespräch mit der unermüdlichen Conny Bischofberger für ein wehleidiges Klagelied über den Zustand der Welt. Oder besser gesagt: über den Zustand seines eigenen Egos.
Wer Bock hat den Schas auf der Inseratenfriedhof Plattform Krone zu lesen https://www.krone.at/4256813.
Für alle anderen reicht die Zusammenfassung des kollektiven Fremdschämens:
- Die 20.000-Euro-Reue des Proletariats: Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Der Mann, der seit Jahrzehnten aus der staatlichen Zwangsabgaben-Portokasse ein fürstliches fürst-bischoöfliches Gehalt von knapp 20.000 Euro monatlich einstreift, stellt sich hin und erklärt uns ganz offen: „Mein Gehalt ist im Vergleich zu einer Pflegekraft absurd hoch.“ Ach was, Armin? Really? Da braucht man den Intellekt eines Vorschülers, um das zu checken. Aber keine Sorge, er gibt das Geld natürlich trotzdem jeden Monat gerne an, während draußen die Hackler für einen Bruchteil buckeln und den ORF-Beitrag blechen, damit er sich mit 65 schmerzfrei in die Pension verabschieden kann, um endlich „ordentlich Schlagzeug zu lernen“. Für Klavier ist er nach eigenen Angaben nämlich „zu blöd“ – eine der wenigen Selbstwahrnehmungen in dem Interview, die man ungesehen unterschreiben kann.
- Das echte Drama: Politiker wollen nicht mehr geschlachtet werden! Jetzt kommt der wahre Schenkelklopfer. Wolf ortet ein massives „Demokratieproblem“. Und raten Sie mal, wer schuld ist? Richtig, Herbert Kickl! Warum? Weil der freche blaue Lausbub keine Lust mehr hat, sich in der ZiB 2 von Herrn Wolf nach Strich und Faden diffamieren, verdrehen und inquisitorisch grillen zu lassen. Stattdessen nutzt dieser Lauser frecherweise die sozialen Medien oder lässt sich von der eigenen Pressesprecherin interviewen. Hören Sie das Wehklagen in Döbling? Da sitzt der Chefinquisitor im goldenen Käfig und muss feststellen, dass die Opfer nicht mehr freiwillig auf den Opferaltar klettern! Wenn Politiker ihre eigenen Kanäle bespielen, ist das laut Wolf „demokratiegefährdend“. Klar doch: Eine echte Demokratie funktioniert schließlich nur dann, wenn der ORF-Hofberichterstatter gnädig den Daumen senkt oder hebt. Wenn die Politiker diesen genialen Zirkus boykottieren, bricht dem Meister ja das Geschäftsmodell zusammen!
- Kindheitstraumata und die Angst vorm „Blödwerden“: Natürlich darf die intime Nabelschau nicht fehlen. Wolf gesteht, dass er sich mit 14 Jahren die abstehenden Ohren operieren ließ – damals noch von der Kasse bezahlt, was bei den heutigen Kassenleistungen wahrscheinlich einen Staatsbankrott auslösen würde. Und auf die Frage, ob er Angst vorm Altern hat, kommt der intellektuelle Tiefschlag schlechthin: „Mir ist Denken deutlich wichtiger als Gehen.“ Man fragt sich bei der Lektüre allerdings, wo dieses „Denken“ in den letzten 30 Jahren geblieben ist, wenn die journalistische Glanzleistung darin bestand, regierungskonforme Narrative im Dreivierteltakt herunterzubeten. Aber gut, man muss ihm lassen: Die Angst vor dem „Blödwerden“ ist vollkommen unbegründet – tiefer sinken geht ohnehin nicht mehr.
Die Moral von der Geschicht’? Der Mann geht in fünf Jahren in Pension, will Schlagzeug spielen und merkt panisch, dass seine mediale Deutungshoheit im Zeitalter von Social Media implodiert. Während die alte Garde der Hofberichterstattung wehmütig in die Röhre schaut, bauen sich die Leute ihre Infos längst woanders zusammen.
Mach’s gut, Armin. Genieß das üppige Ruhegeld, das dir die Hackler finanzieren – und üb schon mal fleißig den Takt. Den Rhythmus der Zeit hast du ohnehin längst verpasst.
Wenn dir der Artikel gefallen hat, dir ein Schmunzeln, Kopfschütteln oder einen kleinen Nervenzusammenbruch beschert hat – genau so war’s geplant.
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