Porschismus im Endstadium: Wenn der Gewinneinbruch zur „Flachen Anlaufkurve“ umgelogen wird

Es ist immer wieder ein erhabenes Schauspiel, wenn die Führungsetage der europäischen Automobilindustrie den geordneten Rückzug ins Reich der Fantasie antritt. Während der Mutterkonzern VW im Gebälk kracht und die Kundschaft der Marke Porsche bei Rekord-Gewinneinbrüchen scharenweise die Gefolgschaft verweigert, setzt sich Helmut Eggert, Geschäftsleiter von Porsche Österreich, entspannt ins LEADERSNET-Interview und zündet Nebelkerzen im XL-Format.

Schnallt euch an für eine Meisterklasse in betreutem Führungskräfte-Sprech.

1. Das Mysterium der „temporären Statistik-Delle“

Auf die peinliche Tatsache angesprochen, dass die Neuzulassungen im Keller dümpeln, hat der Herr Geschäftsleiter sofort die passende Antwort parat: Das liegt keineswegs an mangelnder Nachfrage! Nein, es ist die „flache Anlaufkurve“ und eine „zeitliche Verschiebung durch Produktions- und Lieferabläufe“!

Aha. Der Kunde storniert also gar nicht frustriert seine Bestellung, weil er keine Lust auf fahrbare Laptops hat – das Auto braucht schlichtweg ein halbes Jahr länger, um in der Statistik aufzutauchen! Mit dieser grandiosen Rhetorik kann man künftig auch jede Firmenpleite erklären: „Wir sind nicht insolvent, unsere Einnahmen befinden sich lediglich in einer temporären Anlaufkurve mit zeitlicher Verschiebung!“

2. Die Schöpfungsgeschichte der Elektro-Arithmetik

Weil die echten Zahlen für reine E-Autos wohl etwas zu mager aussehen, greift Eggert tief in die Trickkiste der Vorzeigestatistik:

28,5 % reine Elektrofahrzeuge + 33,6 % Plug-in-Hybride + ein bisschen 911 T-Hybrid = 82,6 % Elektrifizierungsgrad!

Bravo! Wenn man an einen reinrassigen Verbrenner zwei Zündkerzen mit Akku-Draht schraubt, wird das im Porsche-Marketing direkt als Triumphzug der emissionsfreien Zukunft gefeiert. Porsches Zukunft im Griff! Man rechnet sich die Welt einfach so lange grün, bis der Taschenrechner raucht.

3. Der 1.156-PS-Familienpanzer für die PV-Anlage

Der absolute Höhepunkt des Interviews ist jedoch die Empfehlung für den umweltbewussten Häuslbauer: Der neue Cayenne Electric. Ein Ungetüm mit 1.156 PS, 800-Volt-Lade-Architektur und 3,5 Tonnen Anhängelast.

Eggert ist sich sicher: Wer eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat, kauft sich doch keinen Benziner mehr, wenn man dieses 2,5-Tonnen-Monster quasi „kostenlos oder zu minimalen Kosten“ laden kann!

Man muss sich das bildlich vorstellen: Der grüne Bildungsbürger zapft nachmittags die heimische Solaranlage an, um den Akku seines 1.156-PS-Panzers zu füttern, damit die Gattin abends völlig emissionsfrei zum Bioladen rollen kann. Dass die eigene Dach-PV-Anlage bei einem Ladevorgang dieses Elektro-Giganten in Flammen aufgeht oder drei Tage durchgehend schuften müsste, unterschlägt der Herr Manager vornehmerweise.

Aber rechnen wir diese betriebswirtschaftliche Fata Morgana doch kurz zu Ende:

  1. Das mitteleuropäische Sonnen-Lotto: Was macht der stolze Porsche-Treiber eigentlich von November bis März oder an einem ganz normalen Regentag? Richtig: Er lädt seinen 1.156-PS-Panzer gar nicht mehr „kostenlos“ über die eigene Scholle, sondern zieht den teuren Kohle- und Atomstrom mit Vollgas aus dem öffentlichen Netz.
  2. Kühlschrank aus, Porsche an: Eine durchschnittliche Einfamilienhaus-PV-Anlage ist dafür ausgelegt, die Wärmepumpe, den Kühlschrank und die Kaffeemaschine zu versorgen. Wenn jetzt aber der 100-kWh-Monstrum-Akku des Cayenne an die Strippe gehänselt wird, ist die komplette Hütte im Dunkeln. Das bedeutet konkret: Entweder bleibt die Bude kalt und das Essen schimmelt, oder der Cayenne rollt keinen Meter.
  3. Die eiskalte Dusche namens Roadtax: Während der Porsche-Geschäftsleiter träumt, dass E-Autofahren auf ewig steuerlich verwöhnt werden, rollt international längst die Ernüchterung an. In Großbritannien steht die kilometerbasierte Roadtax für E-Autos bereits kurz vor der Einführung, weil den Staaten durch das Wegfallen der Mineralölsteuer Milliarden-Löcher in die Kassen brennen. Sobald die Melkkuh Elektroauto flächendeckend auf der Straße steht, zieht der Finanzminister auch in Österreich die Daumenschrauben an. Dann zahlt der grüne Luxus-Rebell nicht nur für die Kilowattstunde, sondern für jeden gefahrenen Meter extra.

Aber Hauptsache, man hat sich im Prospekt kurz als Retter des Weltklimas gefühlt.

4. Der lautlose Pass-Gleiter

Auch für den kommenden elektrischen 718-Roadster hat Eggert eine Steilvorlage: Das sei das ideale „Funcar“ für die Genussrunde über den Alpenpass.

Denn was gibt es Schöneres, als an einem sonnigen Sonntag im lautlosen Akku-Karton über den Großglockner zu lautlos-surren, während man panisch auf die Tankanzeige schielt und betet, dass auf der Passhöhe eine freie 400-kW-Schnellladesäule steht? Das ist purer Fahrspaß – ganz ohne lästigen Sound, aber dafür mit 600 Kilo Batterie-Ballast im Kreuz.

Fazit

Wenn ein 911 GT3 in Österreich durch die NoVA inzwischen 462.000 Euro kostet, während die Führungsetage im PR-Sprech die Realität verweigert, ist der Endpunkt der Wohlstands-Dekadenz erreicht.

Wir schauen hier den Kapitänen der deutschen Auto-Elite dabei zu, wie sie mit voller Kapelle gegen den Eisberg steuern und dem Publikum auf dem Deck erklären, dass das Schiff gar nicht sinkt, sondern nur eine „flache Anlaufkurve beim Auftauchen“ hinlegt.

Prost Mahlzeit. Ich fahre weiter meinen Verbrenner…

https://www.leadersnet.at/news/103913,exklusive-sondermodelle-machen-uns-nicht-reich-heben-aber-die.html


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Tom Weber

Tom Weber – Beruf: Störenfried. Diagnose: chronisch allergisch gegen Heuchelei, Doppelmoral und staatlich geprüften Schwachsinn. Schreibt auf dem Strafplaneten über alles, was im offiziellen Irrenhaus als „normal“ gilt – und daher dringend untersucht werden muss

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