Man muss die gedankliche Akrobatik der modernen Managerkaste erst einmal würdigen.
Am Flughafen Wien trafen sich diese Woche rund 250 Brancheninsider, Politiker und Verbandsfunktionäre zum 24. Luftfahrtsymposium. Es wurde Sekt geschlürft, man tauschte bedeutungsschwere Blicke aus und hantierte mit Wortungetümen wie „Resilienz“, „technologischer Souveränität“ und der „Luftfahrtstrategie 2040+“ (weil 2030 offenbar schon nicht mehr vorausschauend genug klingt).
Die Diagnose der Herren und Damen in den Maßanzügen? Die Welt ist schlecht. Geopolitische Krisen, Kriege, gesperrte Lufträume, die Bösen sind überall nur nicht im eigenen Business.
Die Rettungsidee der versammelten Führungsriege für den Standort Österreich? „Bitte schafft die Flugabgabe ab, damit wir weniger Steuern zahlen!“
Man muss sich das kurz auf der Zunge zergehen lassen: Irgendwo herrscht Krieg – und die kollektive Antwort von 250 Top-Entscheidern auf einem Luxus-Kongress ist im Wesentlichen: „Schenkt uns Steuern, sonst können wir nicht wettbewerbsfähig jammern!“
Die Realität für den Fluggast am Gate: Zocken, Schikanieren, Kassieren
Während auf dem Symposium die eigenen Befindlichkeiten als geopolitische Notwendigkeit getarnt werden, sieht die Realität für den zahlenden Kunden längst aus wie ein schlechter Satire-Film.
Ein konkretes Beispiel gefällig? Ein Flug auf die Azoren, Dauer etwa fünf Stunden pro Richtung. Kostenpunkt: knapp 1.000 Euro.
Was bekommt man im Jahr 2026 für diesen stattlichen Monatslohn-Bruchteil geboten? Nichts. Wenn du Glück hast, einen Schluck Wasser im Plastikbecher. Wer Appetit oder Durst hat, darf die Kreditkarte zücken und sich für apothekenpflichtige Preise einen matschigen Snack kaufen.
Vor 15 Jahren gab es auf einem Fünf-Stunden-Flug selbstverständlich ein warmes Essen, Getränke und ein Mindestmaß an menschlicher Anstandshaltung seitens der Airline. Heute wirst du wie Vieh durch immer engere Kontrollen geschleust, bezahlst für jedes Handgepäckstück extra und sitzt mit den Knien an der Vorderlehne gepresst in einer fliegenden Konservendose.
Die perfekte Symbiose der Gier
Die Airlines haben von den Billigfliegern gelernt – aber nur das Schlechte. Sie nennen es zynisch „Unbundling“(Entbündelung). Man nimmt dem Kunden alles weg, verkauft es ihm stückweise wieder zurück und behält trotzdem die saftigen Preise der Traditions-Airlines bei. Das spart Kerosin, bringt maximale Marge und treibt die Dividenden.
Und warum ändert sich nichts? Weil das System für alle Beteiligten auf der Tagung hervorragend funktioniert:
- Die Airlines streichen den Service zusammen, schieben die Schuld auf die „hohen Standortkosten“ und kassieren Rekordgewinne.
- Die Flughäfen (wie Wien) zocken die Gesellschaften und Passagiere ab und treten als monopolistische Melkkühe auf.
- Die Politik nickt brav, kassiert Steuern unter dem Deckmantel des „Klimaschutzes“ und stellt sich für Fototermine auf Symposien.
- Die Aktionäre freuen sich über die Rendite.
Keiner dieser Sesslfurzer hat ein Interesse daran, den Zustand von vor 15 Jahren wiederherzustellen. Warum auch? Der Kunde schluckt die Kröte ja trotzdem. Er flucht zwar am Gate, steigt aber am Ende doch ein, weil er eben in den Urlaub will.
Fazit: Hört auf zu jammern!
Es ist eine Scharade. Während sich die Branchenprominenz auf Podien gegenseitig Floskeln zuschiebt und sich als Opfer der Weltpolitik inszeniert, spuckt sie dem Kunden beim Einsteigen bildlich ins Gesicht.
Wer 1.000 Euro für ein Ticket verlangt und dann mit maximale einem Becher Wasser geizt, hat jedes Recht verloren, über „Standortnachteile“ zu fluchen. Es ist nicht die Weltlage, die die Luftfahrt ruiniert – es ist die eigene, unersättliche Gier, verpackt in heiße Luft.
Wenn dir der Artikel gefallen hat, dir ein Schmunzeln, Kopfschütteln oder einen kleinen Nervenzusammenbruch beschert hat – genau so war’s geplant.
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