Der Buchmacher des Rechtsstaats

Oder: Warum du dem Staat deine Zeit schenkst und er dir dafür in die Fresse grinst

ACHTUNG!

ACHTUNG! Vorwarnung für Empörungsbereite, Kellerlacher und sonstige Eierbären: Das hier ist Satire. Wer bei Justizkritik nervös wird, innerlich hyperventiliert oder grundsätzlich alles todernst nimmt: Bitte jetzt ausloggen und im nächsten „Safe Space“ eine Runde atmen gehen. Wir gendern hier nicht, wir politisieren hier nicht, und wir entschuldigen uns schon gar nicht für die Wahrheit.

Ich muss in Bälde zu einer gerichtlichen Tagsatzung. Ein gescheiterter Kaufvertrag, familiäres Kasperletheater, Routine. Österreich halt. Mit der Ladung kam – natürlich – ein Beiblatt: „Auslagen und Entschädigung“ könne man „geltend machen“.

Entschädigung. Ein Wort, das nach Gerechtigkeit schmeckt, aber wie abgestandenes Leitungswasser im Plastikbecher schmeckt. Ich hab das Szenario mal realistisch durchgespielt.

Szene 1: Das Amtslachen

Ich erscheine pünktlich, geschniegelt, leicht gebückt, staatsbürgerlich weichgespült. Nach der Vernehmung schiebe ich, ganz kleinlaut, genau diesen Zettel mit der Forderung einer “Entschädigung” rüber.

Dort, im Feld „Entschädigung für Zeitversäumnis“, steht nun wie frech von mir:

40 Euro.

Ein eher symbolischer Betrag. Der deine verlorenen Lebenszeit ein wenig kompensieren soll. Eher ein mentaler Kaugummi, den man bekommt, damit man ruhig kaut.

Doch, Der Richter hebt die Augenbraue.

Die Lakaien links und rechts schauen interessiert.

Dann kommt sie, diese erste Reaktion:

Ein trockenes Amtslachen.

So ein „Na glaubt der gnä Herr denn wirklich…“.

Der Richter fragt, mit dieser Stimme, die schon tausend Illusionen getötet hat:

„Herr Weber, was ist denn Ihr aktueller Beruf?“

Ich sage:

„Krankenstand.“

Eine halbe Sekunde Stille.

Dann dieses kollektive Kichern.

Nicht ein herzliches 

So ein internes Behörden-„Aha, so einer“.

Szene 2: Der Switch

Einer der Anwesenden – wohl ein Gerichtsschreiber, der seit 1994 nur noch in Paragraphen denkt – hebt den Kopf. Er sieht meine ehrliche, staatsmüde Fresse. Und dann passiert der Switch. Das höfliche Amtslachen kippt. Rüber in das psychopathische Lachen aus Goodfellas.

Dieses unkontrollierte, leicht psychopathische Gelächter, bei dem man nicht mehr sicher ist, ob man Teil der Gesellschaft oder nur noch deren Pausenunterhaltung ist.

Nicht: „Wir lachen mit dir.“ Sondern: „Wir amüsieren uns königlich über deine Existenzberechtigung.“

Nach dem Motto, das auch schon mein Landsmann Falco in seinem Song “Egoist” laut aussprach: Wer glaubt er dass er ist???!!!

Szene 3: Der Buchmacher

Jetzt, aus purer Laune, gibt der Richter meinem Antrag statt.

Er schiebt den Zettel zum daneben sitzenden gerichtlichen Buchmacher weiter.

Der greift, ohne aufzusehen, zum Taschenrechner. So ein Gerät, wie es sonst nur Buchmacher in Mafiafilmen oder österreichische Gerichte verwenden.

Das liturgische Murmeln beginnt: „Also … 40 Euro Forderung … minus 50 Euro Bearbeitungsgebühr für den Antrag … minus 30 Euro für das Lesen des Antrags … minus 20 Euro für das Wegwerfen des Antrags … minus moralischer Aufschlag für die Frechheit … minus Beleidigungszuschlag für den Krankenstand …“

rrrrrtsch. Der Zettel kommt aus dem Drucker wie ein Todesurteil.

„Macht 156 Euro. Zu Ihren Lasten. Zahlbar sofort. Bar oder Bankomat?“

Du sitzt da, schaust deppert, und weißt instinktiv: Du bist gerade vom „Zeugen“ zum offiziellen Pausenclown der Behörde aufgestiegen. Du hast den Staat eine Stunde deiner Lebenszeit geschenkt, und er hat dir dafür eine Rechnung geschickt, dass du es gewagt hast, überhaupt zu existieren.

Szene 4: Die mediale Nachverwertung

Am nächsten Tag oder noch in der Abendausgabe, Lokalblatt, Seite 3:

„Arbeitsscheuer Untertan versucht Justiz abzuzocken“
Zeuge forderte Geld – obwohl er krank war!

Darunter ein Foto:

Ich in Handschellen am Rücken, zwei übermotivierte schwer bewaffnete als auch schwer übergewichtige Ordnungskräfte links und rechts, die mich nach unten drücken

ich brülle schmerzverzerrt:

„Ich bin unschuldig!“ ich hab doch nur von meinem Recht gebrauch gemacht!

Und die Bildunterschrift:

„Gefährlicher Mann zeigte sich uneinsichtig.“

Der nüchterne Kern

Das System will nicht, dass du dein Recht einforderst. Nicht, weil es verboten wäre – das wäre ja zu ehrlich. Es will, dass du dich sozial beschämt fühlst.

Man darf alles beantragen, aber man soll sich dabei klein, lästig und dreckig fühlen. Darum stellen 99 % der Menschen keinen Antrag. Nicht wegen der 40 Euro. Sondern wegen dieser Blicke. Wegen der stillen, autoritären Verachtung.

Das System rechnet eiskalt: Kein Widerstand = kein Geld = kein Stress für uns. Sie nötigen dich bei Androhung von 2.000 Euro Strafe zum Erscheinen, aber ob du dich dabei wie ein Mensch fühlst, während sie dir deine Zeit rauben, interessiert sie exakt null.

Fazit

Als Zeuge vor Gericht erwartet dich kein Gold. Kein Silber. Nicht mal ein warmes Mineralwasser. Nur die Erkenntnis: Du hast dem Staat eine Stunde deines Lebens geschenkt, und er hat dir ins Gesicht gelacht.

Urteil rechtskräftig. Berufung zwecklos. Sie können gepflegt Scheißen gehen!

Genehmigt und Rechtskräftig! ✔️


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Tom Weber

Tom Weber – Beruf: Störenfried. Diagnose: chronisch allergisch gegen Heuchelei, Doppelmoral und staatlich geprüften Schwachsinn. Schreibt auf dem Strafplaneten über alles, was im offiziellen Irrenhaus als „normal“ gilt – und daher dringend untersucht werden muss

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