Wie wir vom Kindergarten an lernen, zu lügen und betrügen – und warum wir aus meist verständlichen Gründen, nie aufhören werden“
Teil 2: Die Professionalisierung – Vom gefälschten Ausweis zum Bullshit-Job
Willkommen zurück beim großen Lügen-Abriss. Letzte Woche haben wir gesehen, dass der Kindergarten die wahre Kaderschmiede für Soziopathen ist. Heute gehen wir einen Schritt weiter. Wir schauen uns an, wie die Lüge zur Eintrittskarte in die „coole“ Welt wird, warum das Amt dich nur ernst nimmt, wenn du Blut weinst, und warum dein Chef dich eigentlich nur bezahlt, damit du ihn professionell täuschst.
3. Jugend: Lügen als Eintrittskarte zur „coolen“ Welt oder:
Wie du mit spätestens 16 lernst, dass die Wahrheit der schnellste Weg in die soziale Verbannung ist Mit spätestens 16 wird’s ernst: Wer nicht lügt, bleibt der Loser. Wer nicht betrügt, darf zuschauen, wie andere das Leben genießen. Willkommen in der Pubertät – dem ersten echten Kriminellen-Trainingslager.
„Ich bin eh schon 18“ – Dein erster offizieller Identitätsbetrug
Staat: „Das ist Jugendschutz!“
Realität: „Wer nicht lügt, steht vor dem Muskelschrank der Dorf-Disco, heult in seine Döner-Box und watcht auf Snapchat, wie seine Freunde drinnen Zuckerbrause aus Österreich mit Woodgaa trinken – während er selbst mit einem Apfelsaft in der Hand, die cleveren Kumpels und ihren gefälschten Ausweisen an sich vorbei, extra cool und in Formation in den Club steppen sieht.
Fazit: Du musst spätestens mit 12 schon einen Ausweisfälscher der Kategorie C bis D kennen, oder besser: Du bist selber bereits einer der besten Fälscher. Damit hast du dein erstes Business und die Bräute kommen trotz deiner Pickel im Gesicht, bereits jetzt von selbst zu dir.
→ Bonus-Tipp: Falls du erwischt wirst, einfach vorher den Personalausweis deines großen Bruders klauen – oder einen Fake bei „Fälscher-Fritz“ aus der Parallelklasse bestellen. Spoiler: Der Typ hat schon drei Klassenkameraden mit den exakt gleichen gefälschten Ausweisen versorgt. Deshalb: Nur mit Zeitverzögerung im Club deines Vertrauens aufschlagen.
„Fälscher-Fritz“ ist im Grunde ein kleiner Schwarzmarkt-Unternehmer. Das Finanzamt wird ihn später als “Kleinunternehmer” listen und ein paar Steuerliche Erleichterungen zukommen lassen, damit er sein Business “offiziell” ausführen kann.
Fazit: Jugend – Die Zeit, in der du lernst, dass die Wahrheit überbewertet ist
Mit 16 discoverst du die harten Fakten des Lebens:
✅ Ehrlichkeit? Ein Luxus, den sich nur die leisten können, die keine Freunde brauchen.
✅ Identität? Flexibel. Anpassbar. Fälschbar.
✅ Social Media? Eine Bühne für deine beste Version – die es nicht gibt.
Willkommen im Erwachsenenleben, Teenager.
Hier gewinnt nicht der, der echt ist – sondern der, der am überzeugendsten lügt.
PS: Ab etwa 40 dreht sich das ganze Lügen-Karussell plötzlich in die Gegenrichtung. Auf den hippen Partnerportalen machst du dich nicht mehr zwei Jahre älter wie früher vor der Dorfdisco – sondern gleich zwanzig Jahre jünger. Dank KI-Filter sind 60-Jährige über Nacht wieder knackige 40. Spätestens beim echten Date kracht die Illusion wie ein morscher Gartenstuhl. Sobald dein Gegenüber in dein zusammengefaltetes Originalgesicht blickt, wird das Treffen oft schneller beendet als dir lieb ist…
4. Ämter: Wo Lügen zur Olympiade des Leidens wird oder:
Wie du lernst, dass nur Tränen, Blut und eine tragische Lebensgeschichte dich weiterbringen. Du willst Geld, einen Termin oder einfach nur, dass dich jemand ernst nimmt? Vergiss Ehrlichkeit. Hier zählt nur Drama, Tränen und die Kunst der glaubwürdig gespielten Existenzvernichtung.
Willkommen im Amt – wo Mitleid die neue Währung ist und Wahrheit dich direkt in die Warteschleife der Hölle katapultiert.
Du hast einen Termin.
Online gebucht. Wochen vorher. Mit QR-Code, Bestätigungsmail und der naiven Hoffnung, dass dich dort jemand wie einen Menschen behandelt.
Spoiler: Das Einzige, was hier digital ist, ist deine Enttäuschung.
Willkommen im Amt – der letzten Bastion der gepflegten Lebenslauf-Inquisition.
Lektion 1: Der PVA-Termin (oder: Wie du lernst, dass Ehrlichkeit nur deine Zeit kostet)
Du bist 60 und du hast es gewagt, dich zu informieren, wie das mit einer eventuell früheren Pension aussieht?
→ Ergebnis: Ein Riesen Fehler, denn dort herrscht maximale Eiszeit.
Der Beamte schaut dich an wie ein Dorfpolizist, dem du gerade gestanden hast, dass du als pubertierender Bengel mit seiner Schwester herumgemacht hast.
→ Realität: Dein größtes Verbrechen ist ein “nicht linearer” Berufsverlauf.
Du hast es gewagt in deinem Leben mehr als einmal die Firma zu wechseln. Das geht gar nicht. Jetzt muss er anfangen zu rechnen. Und das ist für ihn ungefähr so lustig wie Durchfall in der Straßenbahn.
→ Bonus-Taktik (die du leider zu spät erkannt hast):
Nicht ehrlich sein.
Sondern sagen:
→ „Ich bin psychisch am Ende.“
„Mein Rücken ist komplett am Ende und klingt den ganzen Tag wie explodierender Mais der zu Popcorn wird.“
„Ich krieg regelmäßig, speziell nach dem Aufstehen Panikattacken, wenn ich nur das Wort “Arbeit” höre.“
Boom.
Plötzlich bist du kein scheiß Rechenfehler mehr – sondern ein Mensch dem maximales Mitleid zugesprochen wird. Ziel: Der Beamte soll mit glasigen Augen, dich um ein Taschentuch bitten.
Lektion 2: Die Glaszelle (oder: Hochsicherheitstrakt gegen Lebensrealität)
Der Beamte sitzt hinter Plexiglas wie ein Museumsstück aus der Corona-Steinzeit.
→ Botschaft:
Du bist gefährlich.
Deine Fragen sind gefährlich.
Dein Lebenslauf ist eine biologische Waffe.
→ Realität:
Er ist nicht unfreundlich, weil er dich hasst.
Er ist unfreundlich, weil du ihm Arbeit machst.
Und Arbeit ist im Amt ungefähr so beliebt wie ein Eierschaas im Flieger bei dem die Klimaanlage ausgefallen ist.
→ Profi-Tipp:
Wenn du schon dort sitzt, leg sofort nach:
„Ich schlafe seit Monaten nicht.“
„Mein Hund hat bei meinem Anblick sofort Depressionen.“
„Mein Blutdruck hat einen eigenen Instagram-Account.“
Je absurder das Drama, desto schneller kippt die Stimmung von Eiszeit, Richtung menschlich.
Lektion 3: Der Tonfall (oder: Wie du wieder zum Schulbuben wirst)
Der Satz „Sie werden noch ein paar Jahre länger “hackeln” müssen“ trifft dich härter als jede Krebs Diagnose. Es ist so, wie wenn dir Thor’s Hammer einen zusätzlichen Scheitel auf deiner Rübe zieht.
→ Entstehendes Gefühl:
Du sitzt wieder beim Elternsprechtag. Fernsehverbot. Taschengeld gestrichen.
Drei Wochen Hausarrest fürs Scheibe-Einschießen beim Fußball.
→ Systemische Wahrheit:
Ämter reden nicht mit Erwachsenen.
Ämter reden mit Schuldigen.
Und du bist automatisch schuldig, weil du etwas willst.
Die ungeschriebenen Amts-Gesetze:
✅ Ehrlichkeit ist kein Vorteil – sie ist eher ein Hindernis bei deinem Ziel etwas vom Amt zu wollen.
✅ Ein linearer Lebenslauf (Also mit 16 bei der Firma X eingestiegen, gestern von der gleichen Firma nach 40 Jahren brav dienen mit einem Arschtritt gekündigt) ist die einzige akzeptierte Religion im Amtskosmos.
✅ Wer glaubwürdig leidet, wird vorgelassen.
✅ Plexiglas schützt nicht vor Viren – sondern vor Emotionen.
Wer nur blöde Fragen hat, und dem Amtsvertreter keinen persönlichen Vorteil bringt kann genau scheiß’n gehen!
Fazit: Ämter – Wo Notlügen zur Überlebensstrategie werden
Hier lernst du die wichtigste Lektion des Erwachsenenlebens:
✅ Wahrheit? Überbewertet.
✅ Drama? Unverzichtbar.
✅ Tränen? Der ultimative Türöffner.
Das Amt ist kein Service. Es ist ein Casting.
Und du bekommst nur dann eine Rolle, wenn du überzeugend genug zusammenbrichst. Willkommen im System, braver angepasster Bürger.
Hier gewinnt nicht der, der eingezahlt hat – sondern der, der das überzeugendste Drama abliefert.
5. Job: Wo Lügen zum Gehaltsbestandteil wird – oder:
Warum „Ehrlichkeit“ im Lebenslauf das neue „Ich bin arbeitslos“ ist.
Hier geht’s nicht mehr um „ein bisschen flunkern“ – nein, hier geht’s um professionelle Täuschung als maximale Kernkompetenz.
Willkommen in der Arbeitswelt, wo Bullshit nicht nur toleriert, sondern belohnt wird – und Ehrlichkeit der schnellste Weg in die „Karriere-Sackgasse“ ist.
Bewerbungsgespräch: Der erste Test deiner kreativen Selbstvermarktung
→ Du: „Ich bin ein absoluter Teamplayer!“ 😇
→ Übersetzung: „Ich würde diese Leute privat nicht einmal grüßen, aber ich brauche das Geld.“
→ Bonus-Punkte: Wenn du noch „Meine größte Schwäche? Ich arbeite zu viel!“draufpackst, kriegt die Personalerin direkt nasse Augen vor Rührung – und du bist eine Runde weiter im Bewerbungs-Bullshit Bingo.
Projektstatus: Die Kunst des strategischen Beschönigens
→ Du: „Alles läuft nach Plan!“
→ Realität: Nichts ist fertig, der Kunde droht schon mit Anwalt, und dein Kollege hat sich gerade im Serverraum eingeschlossen und weint.
→ Aber hey: Hauptsache, der Kunde glaubt noch an dich – bis die Deadline kommt und alles in Flammen aufgeht.
Krankschreibung: Wenn „Grippe“ der Code für „Ich bin zu besoffen, um zu funktionieren“ ist
→ Du: „Ich habe eine schwere Grippe…“ 🤒
→ Realität: Du bist verkatert wie ein russischer Matrose nach Landgang, deine Augen sind verklebt von der letzten 12 Stunden Dauer-Netflix-Session, und dein Magen rebelliert gegen die Döner von gestern Nacht.
→ Aber wer gibt schon zu: „Ich bin ein emotionales Wrack mit Hang zur Selbstsabotage.“
Nein. Du seufzt mit voller Überzeugung: „Isch Leiddee.“
Boom. Akzeptiert. System funktioniert.
Das ungeschriebene Gesetz der Arbeitswelt:
✅ Kompetenz ist nett – aber Selbstvermarktung zahlt besser.
✅ Wer ehrlich sagt „Ich schaffe das nicht“, wird aussortiert wie abgelaufener Joghurt.
✅ Wer lügt „Alles unter Kontrolle“, wird Teamleiter.
✅ Wer richtig gut lügt, wird Visionär genannt – oder gründet ein Startup, das nach einem Jahr implodiert.
Fazit: Job – Die bezahlte Dauerlüge
Arbeiten heißt nicht, Leistung zu bringen.
Arbeiten heißt, dauerhaft plausibel zu wirken.
Ehrlichkeit ist ein Luxusprodukt.
Lügen ist das eigentliche Betriebssystem.
Willkommen im Hamsterrad, Kollege.
Hier gewinnt nicht der Beste.
Hier gewinnt der, der am überzeugendsten so tut, als wäre er es.
Ende Teil-2
Wenn ihr jetzt glaubt, ihr hättet das Schlimmste hinter euch – weit gefehlt. Wir haben uns durch die Welt der Ämter und Aktenordner gelogen, aber das war alles nur die äußere Fassade. Nächste Woche im großen Finale kommen wir zum Kern der Sache: Wir schauen uns an, wie die Lüge in unsere Betten und unsere Smartphones kriecht, bis wir am Ende selbst nicht mehr wissen, wer wir eigentlich sind. Bleibt dran – es wird privat.
Wenn dir der Artikel gefallen hat, dir ein Schmunzeln, Kopfschütteln oder einen kleinen Nervenzusammenbruch beschert hat – genau so war’s geplant.
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