Man glaubt ja immer, der administrative Irrsinn hätte irgendwo eine logische Obergrenze. Doch dann wirft man einen Blick in die Stellenausschreibungen der regionalen Finanz- und Systemstützen und wird eines Besseren belehrt. Das System hat ein neues Level der Beschäftigungstherapie freigeschaltet.
Das aktuelle Fundstück: Gesucht wird ein „Head of Smart Work Solutions Office“. Auf gut Deutsch: Ein Abteilungsleiter für „schlaues Arbeiten“.
Man muss sich das einmal in seiner ganzen Pracht auf der Zunge zergehen lassen. Eine Institution gründet eine komplett neue, zentrale Einheit, die direkt beim Vorstand verankert ist, um Arbeitsprozesse „einfacher, klarer und wirksamer“ zu machen. Wenn man ein eigenes, interdisziplinäres Büro und ein dazugehöriges „Smart Work Steuerungsgremium“braucht, um den Mitarbeitern das Arbeiten zu erklären, dann weiß man ganz genau, wie tief der bürokratische Sumpf dort bereits sein muss. Man erschafft eine Meta-Bürokratie, um die bestehende Bürokratie zu verwalten.
Das Vokabel-Feuerwerk in der Ausschreibung ist ein absolutes Fest für jeden Analysten: Da wird das „bankweite Portfolio an Initiativen zur Prozessvereinfachung gesteuert“, da wird eine „klare End-to-End-Sicht sichergestellt“ und ein „Reporting“ erstellt. Kurz gesagt: Es wird ein gigantischer Apparat in Gang gesetzt, um Berichte darüber zu schreiben, wie man theoretisch effizienter sein könnte, während die produktive Basis der Organisation mit der nächsten Welle an Excel-Tabellen und Kontroll-Tools beglückt wird.
Und weil das Erzeugen von heißer Luft in der Teppichetage des Systems eine treue Gefolgschaft erfordert, wird das Ganze auch fürstlich entlohnt: Ein All-In-Bruttojahresgehalt von 100.000 Euro plus Car Allowance(Dienstwagenzuschuss).
Das ist das klassische Schweigegeld der Corporate-Welt. Für 100 Riesen im Jahr setzt sich der perfekt weichgespülte Karriere-Hüpfer dorthin, nickt brav beim Vorstand ab, lässt sich zeitlich komplett aussaugen und produziert monatelang PowerPoint-Präsentationen über „Kulturveränderung“, die in irgendeinem Netzlaufwerk verstauben.
Wer so ein Privileg genießt, stellt keine kritischen Fragen mehr. Er wird zum treuesten Wächter des Status quo, weil er genau weiß, dass in der realen, wertschöpfenden Wirtschaft niemand für das bloße Verwalten von Phrasen so ein Gehalt überweist.
Gesucht wird der ultimative Systemritter: Hohe Akzeptanz im oberen Management und die Fähigkeit, „unterschiedliche Interessenlagen zusammenzuführen“. Das bedeutet übersetzt: Stundenlang reden, ohne sich inhaltlich festzulegen oder irgendwem wehzutun.
Während die reale Welt draußen mit echten, handfesten Problemen kämpft, baut sich das System seine eigenen, vergoldeten Elfenbeintürme, um sich selbst zu feiern. Hauptsache, das Wording stimmt und die End-to-End-Sicht im Kunstlicht der Matrix bleibt ungetrübt.
Willkommen auf dem Strafplaneten, wo das Verwalten der Illusion der bestbezahlte Job ist. 🤡
Stellenausschreibung: https://www.karriere.at/jobalarm/1573445?page=2&utm_source=hubspot&utm_medium=email&utm_campaign=18.05.26_52-job-alarm-weekly#7787957
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