Der große Substack-Plagiats-Report: Wenn die KI-Kopie die KI-Kopie kopiert

Akt 1: Die unbefleckte Empfängnis des Prompts

Unsere spirituell erwachte Millennial- oder Gen-Z-Autorin setzt sich morgens im Seidenpyjama mit einem Matcha Latte an den Laptop. Sie spürt eine tiefe „kosmische Unruhe“ (die im echten Leben wahrscheinlich nur ein leichtes Magenzwicken vom Haferdrink ist). Weil das eigene Gehirn aber zu träge ist, um aus diesem unbestimmten Gefühl einen strukturierten deutschen Satz zu bauen, wird der treue KI Knecht ChatGPT angeworfen.

Der Prompt: „Schreibe mir einen tiefen, transformierenden Text über Abgrenzung, Erleuchtung und warum Leute, die mich kritisieren, eigentlich nur ein Problem mit ihrer eigenen Meta-Ebene haben. Mach es im Tonfall einer weisen, unnahbaren Schamanin.“

Das Ergebnis: Die KI rührt den großen Topf an und spuckt die exakt gleichen Worthülsen aus: „Radikale Verantwortungsübernahme“, „energetische Diskrepanz“, „Ich-bin-Bewusstsein“.

Der Irrglaube: Unsere Erleuchtete liest den generierten Text, kriegt feuchte Augen und denkt: „Wahnsinn. Die KI hat direkt in meine Seele geschaut. Das bin so ICH!“

Akt 2: Das kollektive Déjà-vu im Phrasen-Dschungel

Drei Tage später. Eine Kollegin aus derselben Filterblase – nennen wir sie „Luna ✧ Mindset Shaman“ – hat dasselbe Magenzwicken und füttert ihren Prompter mit einer ganz ähnlichen Frage. Was passiert? Die KI greift in denselben Phrasen-Baukasten und würfelt die exakt gleichen Textbausteine in leicht veränderter Reihenfolge zusammen. Luna postet es stolz auf Substack.

Unsere erste Autorin scrollt durch ihren Feed, sieht den Post und kriegt fast einen Herzinfarkt. Ihre Aura flimmert tief rot. „Moment mal!“, schießt es ihr durch den Kopf. „Das sind doch meine Worte! Das ist doch meine Meta-Ebene! Die hat mir meine energetische Frequenz geklaut!“

Akt 3: Der paranoide Hexenprozess auf LinkedIn-Niveau

Jetzt bricht das Kartenhaus komplett zusammen. Anstatt auf die naheliegende Idee zu kommen, dass sie beide einfach denselben faden, unoriginellen Algorithmus-Brei fressen, greift der unfehlbare Narzissmus:

Die Egofalle: „Weil ich einzigartig bin, MUSS dieser Text von mir stammen. Die KI von der anderen kann unmöglich so tiefgründig sein wie meine.“

Der heilige Krieg: Es werden empörte „Notes“ abgesetzt. Da wird dann subtil über „Nachahmer ohne eigenes Fundament“ gelästert, oder man schreibt lange Abhandlungen darüber, dass „Wahre Authentizität sich nicht kopieren lässt“.

Die Realsatire: Eine KI-Generierte Kopie beschwert sich bei einer anderen KI-Generierten Kopie darüber, dass das Plagiat die spirituelle Einzigartigkeit des Originals beschädigt. Man klaut sich gegenseitig die vorgefertigten Gedanken aus dem Phrasenprügler und bezichtigt den anderen des Diebstahls geistigen Eigentums – das eigentlich einem Server in Kalifornien gehört.

Das Fazit: Ein Kreiswichs der Austauschbarkeit

Das ist genau der Stoff, aus dem die besten Satiren sind. Diese Damen haben sich so tief in ihrer eigenen „Ich-Form“ und Besserwisser-Transformations- Keule verrannt, dass sie blind für die eigene Austauschbarkeit geworden sind. Sie merken nicht, dass sie längst keine Autoren mehr sind, sondern nur noch die menschlichen Interfaces für ein und dieselbe Software….😜🤣🤣🤣


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Tom Weber

Tom Weber – Beruf: Störenfried. Diagnose: chronisch allergisch gegen Heuchelei, Doppelmoral und staatlich geprüften Schwachsinn. Schreibt auf dem Strafplaneten über alles, was im offiziellen Irrenhaus als „normal“ gilt – und daher dringend untersucht werden muss

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