1. Die Farce (Was da heute abläuft)
Offiziell wird heute im ORF-Stiftungsrat ein neuer Generaldirektor oder eine Generaldirektorin gewählt. Es wird das Narrativ einer „demokratischen, objektiven Entscheidung für die beste Führungskraft“ aufgebaut.
- Die Realität: Wie die Kolumne richtig schreibt, wurde der Posten schon vor Wochen im Kanzleramt per Hinterzimmer-Deal ausgemauschelt. Die Stiftungsräte sitzen dort nicht wegen ihrer Medienkompetenz, sondern fein säuberlich aufgeteilt in den parteipolitischen „Freundeskreisen“ von ÖVP und SPÖ.
- Das Absurde: Die Bevölkerung wurde gesetzlich dazu verdonnert, diesen Apparat über die Haushaltsabgabe (die ehemalige GIS) zwangsweise zu finanzieren – egal ob man einen Fernseher hat, den Sender schaut oder (wie ich) die Kiste vor zehn Jahren aus dem Fenster geworfen hat. Du zahlst die Miete für ein Theater, dessen Drehbuch die Politik schreibt.
2. Psychologische Analyse: Warum funktioniert das System der Schockstarre?
Warum geht niemand auf die Barrikaden, wenn Millionen versenkt werden, während rundherum im Sparbudget der Gürtel enger geschnallt wird? Das ist kein Zufall, das ist systemische Konditionierung durch drei Mechanismen:
A. Brot und Spiele 2.0 (Die digitale Sedierung)
- Das Prinzip: Früher brauchte es Diktaturen, um Völker ruhigzuhalten – heute reichen Hochgeschwindigkeits-Internet und Bequemlichkeit. Wenn der Bürger abends müde von der Arbeit kommt, wird er von einem perfekt austarierten Ökosystem aus Lieferando, Amazon, Netflix und Spotify empfangen.
- Der Effekt: Es ist eine Form von digitalem Opium. Warum sich über die Parteienförderung, das kaputte Budget oder die ORF-Postenschacherei aufregen, wenn das Essen in 20 Minuten an der Tür steht und die nächste Serie auf der Couch wartet? Die totale Verfügbarkeit von billigem, passivem Konsum wirkt wie ein gesellschaftlicher Stoßdämpfer. Sie nimmt den Druck aus dem Kessel und verwandelt potenzielle Rebellion in Trägheit.
B. Das Ventil des „zahnlosen Gemaules“ in den Kommentarspalten
- Das Prinzip: Die herrschende Clique weiß ganz genau, dass der Österreicher raunzen muss. Das ist Teil der kulturellen Identität. Also lässt man ihm das Ventil: Man darf anonym im Internet posten, am Stammtisch schimpfen oder einmal alle paar Jahre ein Kreuzerl machen, das am Ende im System verpufft.
- Der Effekt: Dieses pseudorebellische Gemaule („Jetzt habe ich es denen aber gezeigt!“) ist psychologisch genial für die Mächtigen. Es gibt dem Bürger die Illusion von Widerstand, während er am nächsten Tag brav die nächste Zwangskomplettgebühr überweist. Das Raunzen ersetzt das Handeln. Es ist ein ritueller Schuldmasochismus, bei dem man sich in der Rolle des machtlosen Opfers fast schon gemütlich eingerichtet hat.
C. Die moralische Lähmung
- Man hält die Bevölkerung in einem permanenten Zustand des schlechten Gewissens und der moralischen Überforderung. Wer ständig damit beschäftigt ist, sich für alles Mögliche schuldig zu fühlen oder im Alltag zwischen den unzähligen neuen Regeln, Verordnungen und Krisenmeldungen zu navigieren, dem fehlt schlichtweg die mentale Energie, um das ganz große Rad der politischen Korruption zu hinterfragen.
Fazit: Der Bürger als Pflicht-Abonnent
Das System ORF ist die absolute Endstufe des „Abo-Wahnsinns“. Bei Netflix kannst du theoretisch noch die Reißleine ziehen und kündigen. Beim Staatsfunk hat die Politik das Abo für dich abgeschlossen – auf Lebenszeit, unkündbar und direkt vom Konto eingezogen.
Heute Abend werden sich die Herrschaften im Wien Museum oder am Küniglberg wieder gegenseitig den Champagner einschenken und sich für die „Zukunftsfähigkeit“ feiern. Und der Österreicher schaut zu – im wahrsten Sinne des Wortes als degradierter Zuschauer eines Schmierenstücks, für das er selbst das Ticket bezahlen musste. BINGO!
Quelle: https://www.krone.at/4172653
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