Der 13.000-Euro-Aluwürfel und das Manifest der geschlossenen Anstalt

Schau an, Apple hat wieder mal den Vorhang gelüftet, und die Meute der professionellen Grinsgesichter auf YouTube liegt sich vor Freude heulend in den Armen. 

Der neue Mac Studio mit M5 Ultra ist da! Preis der abgebildeten Bescheidenheit auf meinem Bildschirm: 12.979,00 Euro. Das ist aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Wer völlig größenwahnsinnig ist oder als Tech-Milliardär darauf besteht, dass sich seine Mails ein paar Nanosekunden schneller öffnen, bläst die Kiste locker auf 22.000 Euro auf.

Für das Geld hast du dir früher ein komplettes Musikstudio samt analogem Mischpult, Bandmaschine und einem brauchbaren Gebrauchtwagen für den Schlagzeuger gekauft. Heute bekommst du dafür einen silbrigen Brotkasten ohne Tastatur, dessen Hauptaufgabe darin besteht, das 4K-Unboxing-Video eines sabbernden Influencers in 7 statt 17 Minuten zu rendern.

Man muss sich die Frage im Jahr 2026 wirklich auf der Zunge zergehen lassen: 

Für wen zur Hölle bauen die diese Kisten eigentlich noch?

  • Die Musikindustrie? Im Eimer. Braucht seit dem M1 kein Mensch mehr für fertige Loops und irgendein Autotune Gekrächze welches dann auf Smartphonelautsprecher konsumiert wird.
  • Die Filmbranche? Vielleicht. Weil die Millennials dort noch immer glauben, dass man eine beschissene Szenenausleuchtung nicht mehr am Set lösen muss, sondern in der Postproduktion. Das Ergebnis bewundern wir täglich im Kino: düstere Suppe, in der man absolut nichts mehr erkennt.
  • Grafik & Design? Wird vom Kunden längst mit drei schnellen Prompts in der KI selbst erledigt.
  • Entwickler? Sitzen auf Linux-Servern oder maßgeschneiderten Custom-PCs.

Bleibt genau eine Zielgruppe übrig: Der erlauchte Kreis der Gratis-Versorgten und über den Dingen stehenden YouTubern.

Ein völlig inzestuöser Öko-Kreislauf: Apple schenkt den Influencern 13.000-Euro-Rechner, damit diese feuchtgewordene Benchmark-Balken abfeuern und feiern, wie geil ihr eigener Content jetzt verarbeitet wird. Ein System, das sich ausschließlich selbst spiegelt, feiert und versorgt.

Und für das Fußvolk? Der einst ehrliche Mac mini für schmale 690 Eier wird systematisch nach oben getrieben. Ein bisschen Arbeitsspeicher hier, eine etwas größere SSD da – und zack, bist du bei den 2.500 Euro, für die du vor zehn Jahren noch ein vollausgestattetes Pro-Tower-System mit vier PCIe-Steckplätzen bekommen hast.

Die einzige Performance, die hier seit Jahren kontinuierlich um 30 % gesteigert wird, ist die Entkopplung von Preisschild und Realität. Aber Hauptsache, die Speicheranzeige im Video zeigt 256 Gigabyte und das Achterl in der Hose ist perfekt gereift.

Amen.


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Tom Weber

Tom Weber – Beruf: Störenfried. Diagnose: chronisch allergisch gegen Heuchelei, Doppelmoral und staatlich geprüften Schwachsinn. Schreibt auf dem Strafplaneten über alles, was im offiziellen Irrenhaus als „normal“ gilt – und daher dringend untersucht werden muss

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