Servus Freunde des gepflegten Realitätsschocks, wir müssen reden.
Und zwar auf Deutsch – solange wir es noch unfallfrei hinkriegen. Habt ihr euch eigentlich in letzter Zeit mal in der freien Wildbahn umgehört? Wer heute unbeschadet durch eine Fußgängerzone, ein Großraumbüro oder gar das eigene Wohnzimmer kommen will, braucht kein Wörterbuch mehr, sondern ein neurologisches Gegengift.
Wir wachsen nicht mehr auf, wir „performen“. Wir haben keine Pechsträhnen mehr, wir sind einfach „lost“. Und wer früher schlichtweg ein Idiot war, ist heute ein „Cringe-Faktor auf Next-Level-Basis“.
Die liebe Susanne Bur hat neulich auf den Nachdenkseiten einen wunderbaren Text rausgehauen, der uns aus der Seele spricht. Sie beschreibt den ganz normalen Wahnsinn vom Aufstehen bis zum Feierabend-Overkill. Da draußen läuft eine Generation von Millennials bis GenZ-Dummies und weichgespülten Marketing-Drohnen herum, die klingen, als hätte man eine kalifornische Tech-Klitsche mit einer chronisch unterbelichteten TikTok-Bio gekreuzt.
Das Business-Kasperle-Theater
Es fängt ja schon im Job an. Da sitzt der IT-Fuzzi im Meeting und braucht dringend einen „Quick Call“, um das Team zu „updaten“, weil das „Event“ eine „tighte Deadline“ hat. Früher hieß das: „Der Drucker im Flur hat einen Papierstau, wir müssen uns was einfallen lassen, jetzt.“ Aber mit normalem Handwerk kann man heute halt keinen Investor mehr beeindrucken. Es muss alles klingen, als würde man gerade auf Koks das nächste Weltwunder programmieren, während man in Wahrheit nur heiße Luft hin und her schiebt, maximal “excited” ist und auf keinen Fall den Eindruck erweckt man sei “lost”.
Krieg als Videospiel und der finale Kick
Am perversesten wird es aber, wenn diese mutierte Sprache die echte Welt einholt. Wenn in den Nachrichten ernsthaft darüber schwadroniert wird, welche „Gamechanger“ in den aktuellen Kriegen mal wieder „performed“ haben – als wäre das Abschlachten von Menschen ein spannendes eSport-Finale –, dann weißt du, dass die emotionale und intellektuelle geistige Verblutung das Endstadium erreicht hat. Exciting! Da verkümmert jede Synapse.
Sogar vor dem Fußball wird nicht haltgemacht. Wenn der Trainer Sorry „Coach“ seine Truppe „ge-briefed“ hat, der „Keeper“ chancenlos war und am Ende der „Finisher“ das „Goal“ im „Offside“ erzielt, möchte man am liebsten den Ton abdrehen und sich die Ohren mit Kernseife auswaschen.
Unser Fazit vom Strafplaneten:
Dieser ganze seelenlose pseudowichzige Sprach-Scheiß auf neudeutsch “Denglisch” ist der perfekte Spiegel für die Kultur, mit der die Kids heute aufwachsen. Ohne Ecken, ohne Kanten, komplett steril und künstlich aromatisiert. Ein sprachlicher McDonald’s-Fraß für den Geist: schmeckt im ersten Moment süß, macht die Birne auf Dauer aber komplett hohl.
Wir husteln, chillen und framen uns in den kollektiven Hirntod. Aber hey – hauptsache politically correct und immer schön in shape bleiben!
In diesem Sinne: I wish you what! Und wenn euch das nächste Mal jemand mit einem „Quick Update“ kommt, schickt ihn einfach direkt dorthin zurück, wo der Pfeffer wächst. Oder dorthin, wo man noch weiß, was ein Schraubenschlüssel ist.
Quelle: https://www.nachdenkseiten.de/?p=152754
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