Das digitale Luftschloss der Politdarsteller: Wenn Inkompetenz hinter „ida“ abtaucht

Man muss den Herrschaften in den Wiener Amtsstuben eines lassen: Wenn es darum geht, den absoluten Rückschritt als visionären Meilenstein zu verkaufen, macht ihnen so schnell keiner was vor. Jüngster Streich im hiesigen Kasperltheater: Der große „Relaunch“ der ID Austria, stolz präsentiert via Pressekonferenz.

Verantwortlich für die mediale Nebelgranate ist der zuständige Staatssekretär Alexander Pröll. Wer sich fragt, mit welcher fachlichen Expertise der Mann uns das Blaue vom Himmel verspricht, dem hilft ein Blick auf die österreichische Erbmonarchie der Postenschacherei. Wenn dieser Stammbaum die Früchte der Packelei verkündet, sollten ohnehin sofort alle roten Alarmlampen angehen:

  • Der Name ist Programm: Alexander Pröll ist der Großneffe von Ex-Landeshauptmann Erwin Pröll und der Sohn von Ex-Vizekanzler Josef Pröll. Die familiäre Erbfolge im ÖVP-Netzwerk funktioniert reibungslos.
  • Die Apparat-Karriere: Richtige Arbeit abseits der Steuerzahler-Kasse? Fehlanzeige. Nach dem Studium ging es direkt als Büroleiter zu Nehammer, dann als Referent ins Kabinett von Sebastian Kurz und schließlich auf den Posten des ÖVP-Generalsekretärs.
  • Die Belohnung: Als Versorgungsposten gab es schließlich das Staatssekretariat im Kanzleramt. Ein lupenreiner Apparatschik, der sein Leben nur in Parteibüros verbracht hat, erklärt uns jetzt die Lebensrealität.

Und diese „Realität“ sieht ab Juli so aus: Wir werden mit „ida“ beglückt, einem KI-basierten Chatbot. Die Ansage: „Verantwortungsvoller KI-Einsatz in der öffentlichen Verwaltung.“ Die Wahrheit: Die Errichtung der finalen digitalen Festungsmauer zwischen dem Staat und seinen Bürgern.

Wer glaubt, dass hier irgendetwas einfacher wird, hat das System der organisierten Verantwortungslosigkeit nicht verstanden. Dieser seelenlose Textroboter ist der perfekte digitale Türsteher. Er soll den Bürger mit vorgekauten, unverständlichen Gesetzestexte-Textbausteinen in einer Dauerschleife so lange mürbe machen, bis man entnervt aufgibt. Wer einen realen Sonderfall hat oder echte Hilfe braucht, steht vor einer digitalen Wand.

Aber das Beste daran: Für die Belegschaft in den Amtsstuben ist „ida“ das absolute Hauptlos. Während man sich früher noch mit lästigen Bürgeranfragen herumschlagen musste, kann man sich jetzt zum kollektiven Nasenbohren zurückziehen. Kompetenz? Fehlanzeige. Wenn künftig was schiefgeht, war es einfach die „Schnittstelle“, die „Software“ oder eben der Bot. Gefeuert wird in diesem geschützten Werkkreis sowieso niemand. Man verbarrikadiert sich hinter fehlerhafter Software, während das Fundament lichterloh brennt. Glaubt ihr nicht? Dann startet mal einen der scheiss chatbots bei den vielen iT Konzern Webseiten. Spätestens nach der Begrüßung hat du da schon die Zornesader auf der Stirn und möchtest deinen PC aus dem Fenster werfen und nachspringen…

Dazu passt das restliche Paket wie die Faust aufs Auge: Stolz wird verkündet, dass man nun digitale Vollmachten nutzen kann, um etwa Medikamente für die Verwandtschaft zu holen. Der Haken im Kleingedruckten? Beide Personen müssen im System lückenlos registriert und komplett gläsern sein. Unter dem Deckmantel der „Bequemlichkeit“ wird die perfekte Überwachungs-Infrastruktur hochgezogen. Führerschein, Steuern, Gesundheit – alles in einer Hand, alles in einer App.

Dass genau dieses System eine Einladung für Kriminelle ist, beweisen die massiven Betrugsfälle aus dem heurigen April und Mai, bei denen reihenweise Identitäten abgezogen und Konten geplündert wurden. Aber die PR-Maschine läuft ungeniert weiter, die sechs Millionen registrierten User werden als Erfolg verbucht und im Sommer tourt man sogar für noch mehr Registrierungen durchs Land.

Wir erleben hier keinen Fortschritt. Wir erleben die perfekte Entmündigung im Gewand der Moderne. Eine digitale Fassade, hinter der sich bürokratische Inkompetenz und staatliche Kontrollwut feige verstecken – appetitlich angerichtet und serviert von einem braven Zögling der typischen ÖVP-Postenpackelei, der das Ganze ohne mit der Wimper zu zucken abnickt und für die Kameras sauber präsentiert.

Quelle: https://www.krone.at/4182875


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Tom Weber

Tom Weber – Beruf: Störenfried. Diagnose: chronisch allergisch gegen Heuchelei, Doppelmoral und staatlich geprüften Schwachsinn. Schreibt auf dem Strafplaneten über alles, was im offiziellen Irrenhaus als „normal“ gilt – und daher dringend untersucht werden muss

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