Man muss sich die Szenerie einmal bildlich auf der Zunge zergehen lassen: Herbert Kickl sitzt im ORF-Sommergespräch und haut die Vokabeln „Gotteslästerung“ und „Ablasshandel“ in die Kameras. Ein klassischer Köder für die Schlagzeilen-Maschinerie – und der gesamte Medien-Apparat samt Bischofskonferenz-Peripherie beißt an wie ein verhungerter Hecht am Teich.
Was folgt, ist kein Diskurs, sondern ein perfekt durch choreografiertes Lehrstück in angewandter Betroffenheit.
1. Die Heilige Inquisition der Umweltbeauftragten
Dass sich ausgerechnet die Kärntner Kirchenvertreter berufen fühlen, in einem offenen Brief die Physiker-Rolle zu übernehmen, setzt der Absurdität die Krone auf. Jahrelang laufen den Kirchen die Beitragszahler scharenweise davon, aber beim Thema CO₂-Sünde entdeckt man plötzlich wieder den moralischen Zeigefinger und die Sorge um die „Schöpfung“. Wer den staatlich verordneten Umbau infragestellt, begeht also zwar keine Gotteslästerung im theologischen Sinn, aber dafür die moderne Todsünde der Narrativ-Abweichung. Dass die Kirche mit dem Begriff „Ablasshandel“ historisch gesehen eigentlich reichlich Eigenexpertise mitbringt, verleiht der ganzen Nummer eine ganz besondere Note von unfreiwilliger Komik.
2. Das Experten-Geschwader im Dauereinsatz
Natürlich darf im Krone-Reigen die geballte Phalanx der heimischen Promi-Forschung nicht fehlen. Helga Kromp-Kolb, Franz Essl und Andrea Fischer werden im Stakkato aufmarschiert, um den blauen Parteichef zum wissenschaftlichen „Dinosaurier“ zu erklären.
- Da wird gewarnt, gerechnet und gemahnt – verpackt in die gewohnten Phrasen vom „konkurrenzlos billigen Windstrom“, bei dem man sich als Bürger an der nächsten Stromrechnung bloß kurz die Augen reiben muss.
- Wenn Gletscherforscherin Fischer schlussfolgert, dass man ja nicht wie die Dinosaurier aussterben wolle, wird die Grenze zwischen nüchterner Datenanalyse und reinstem Katastrophen-Hollywood endgültig überschritten. Es fehlt eigentlich nur noch der Meteoriten-Einschlag live im Krone.tv-Studio.
3. Das System Betroffenheit als Ablenkungsmanöver
Das Grundproblem an diesem ganzen Kasperltheater ist nicht die Physik – es ist die politische Inszenierung drumherum. Anstatt dass man sich ehrlich darüber unterhält, wie man eine Industrie-Nation energetisch bezahlbar hält, ohne den Mittelstand mit immer neuen Steuern, Abgaben und Zertifikaten (also eben jener modernen Form des Ablasshandels) auszuweiden, verfällt man lieber in den Modus der moralischen Entrüstung.
Kickl wirft das Stöckchen, die Redaktionen springen brav drüber, die Experten liefern die passenden Textbausteine und der Leser darf sich aussuchen, ob er sich heute lieber vor dem Weltuntergang oder vor dem politischen Gegner fürchten möchte.
Fazit: Eine Debatte, in der Politiker mit religiösen Begriffen um sich werfen und Kirchenmänner mit Physik-Lehrsätzen antworten, hat mit lösungsorientierter Politik genau gar nichts zu tun. Es ist das gewohnte Sommertheater für die Galerie – während der Steuerzahler an der Zapfsäule und beim Stromanbieter weiterhin die Zeche für den großen Transformations-Zirkus begleichen darf.
Wenn dir der Artikel gefallen hat, dir ein Schmunzeln, Kopfschütteln oder einen kleinen Nervenzusammenbruch beschert hat – genau so war’s geplant.
Falls du solchen Wahnsinn öfter möchtest, kannst du den Strafplaneten hier ganz offiziell unterstützen und nichts mehr verpassen:
Abo dalassen und mitfliegen.
Und, du kannst mir gerne auch einen Kaffee spendieren.



Leave a Comment