RYE in SoHo New York

Wie man verblödeten New Yorkern 60-Dollar-Brot als Erleuchtung verkauft

Man muss den Hut ziehen vor Martin Auer. Während in Europa das Bäckereisterben beweint wird, weil der gemeine Konsument nicht einmal mehr vier Euro für ein ordentliches Handwerksbrot abdrücken will, hat der Grazer Bäckermeister die ultimative Goldader des 21. Jahrhunderts freigelegt: die schier unendliche, dekadente Dummheit der Manhattaner Oberschicht.

In SoHo – dort, wo Leute schlappe dreihundert Dollar für ein weißes T-Shirt abdrücken, solange das Etikett von einem depressiven schwulen Designer stammt – hat die Filiale „RYE“ eröffnet. Das Geschäftsmodell? Ein Meisterwerk des Spätkapitalismus, das jedem ehrlichen Betrüger die Tränen der Rührung in die Augen treibt.

Die Magie des 60-Dollar-Kohlenhydrats

Das Kernprodukt ist ein 1,5 Kilogramm schwerer Laib Roggensauerteig. In Österreich würde der Landbäcker dafür freundlich verhaftet oder in die Geschlossene eingewiesen werden, wenn er 50 Euro verlangt. In New York legt man 60 Dollar auf den Tresen – und die Hipster zittern vor Ehrfurcht, als würden sie ein Fragment des echten Kreuzes Christi in Empfang nehmen.

Die Zutaten? Mehl, Wasser, Salz und eine Prise Marketing-Voodoo. Der Begriff „Sauerteigstarter seit 50 Jahren gepflegt“ wirkt auf den Wohlstands-Ami wie ein Zauberspruch aus Harry Potter. Es ist im Grunde fermentierte Teig mit Tradition, aber wenn man ihn im richtigen Licht präsentiert, verwandelt er sich die Flade plötzlich in flüssiges Gold.

Wer den Geldbeutel nicht ganz so weit aufreißen will, kriegt auch den Viertellaib für schlappe 15 Dollar. Das ist das Äquivalent zu einer Scheibe Brot mit Kruste, für die man hier bei uns, einen Kleinkredit aufnehmen müsste.

Schnittchen für die Hirntoten: Die 14-Dollar-Abzocke

Der eigentliche Slapstick spielt sich aber bei den Beilagen ab. Auer verkauft unter dem Label „ON RYE“ hauchdünne Brotscheiben, bestrichen mit Dingen wie Liptauer oder schlichtem Schnittlauch-Frischkäse.

Preis: Bis zu 14 Dollar. 

Für ein Schnittchen. Für Butter und Gras auf einer Scheibe verbranntem Mehl.

Die Kundschaft steht dafür in einer Schlange, die einmal um den Block reicht, tippt mit ihren gepflegten Manikür-Fingern auf dem 1300,- Eier iPhone herum und postet stolz ihre Errungenschaft auf Instagram und TickTock. Man sieht die leeren Augen dieser Millennial-Finanzanalysten und Marketing-Gurus förmlich leuchten: „Look, I’m consuming authentic European culture!“ Nein, Kumpel, du konsumierst gerade deine eigene völlige Entfremdung von jeglichem Geldwert.

Die 500-Dollar-Holzkiste: Die Trophäe für den Vollidioten

Aber Auer schießt den Vogel erst richtig ab, wenn es um die Lagerung geht. Weil ein 60-Dollar-Brot natürlich nicht in einen billigen Brotkasten aus dem Supermarkt gesperrt werden will, bietet er die passende Aufbewahrungsschüssel gleich mit an.

Kostenpunkt: knapp 500 Dollar.

Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Eine Kiste für ein halbes Tausend Dollar, um ein Gebäck hineinzulegen, das nach vier Tagen hart wie ein Dachziegel wird und diese Leute dann sowieso wieder wegwerfen, um sich wieder in der Schlange für Nachschub anzustellen. Das ist keine Brotdose mehr, das ist ein Mahnmal der Dekadenz. Es signalisiert jedem Loft-Besucher auf den ersten Blick: „Ich habe so viel Kohle, ich verbrenne sie sogar für die Aufbewahrung meiner Hefeflade.“

Der Veblen-Effekt im Endstadium

Es gibt in der Ökonomie das Phänomen der Veblen-Güter – Dinge, die nur deshalb begehrt sind, weil sie sauteuer sind. Auer könnte morgen das Schild austauschen und den Laib für 120 Dollar anbieten. Die Schlange würde nicht kürzer werden, sie würde sich verdoppeln. Denn der SoHo-Hipster kauft nicht den Geschmack, er kauft das Preisschild als Statussymbol zum Posten. Erst wenn das Brot so teuer ist, dass es wehtut, schmeckt es ihm richtig gut.

Fazit

Man kann dem Grazer Bäckermeister für diese gnadenlose Umverteilung von Vermögen nur stehen pfeifend gratulieren. Er nimmt das Geld derjenigen, die ohnehin zu viel davon haben und sich bereits im Sauerstoffmangel-Delirium ihrer eigenen Wichtigkeit bewegen, und packt es eiskalt dahin, wo es hingehört: in die eigene Tasche. Ein Hoch auf das Bäckereihandwerk – und auf die unendliche, bodenlose Dummheit eines maximal wohlstandsverwahrlosten Publikums.

Wir werden in Zukunft noch viele clevere Geschäftsleute erleben, die erkannt haben, dass die westliche Welt am laufenden Band kaufkräftige Wichtigtuer ausspuckt, die förmlich darum betteln, mit Anlauf ausgenommen zu werden. Und ich werde mit größtem Vergnügen darüber berichten. Denn genau dieser Irrsinn ist der Treibstoff für den Strafplanetenmoderator Tom Weber.

(Wer tiefer in den Kaninchenbau der Hipster-Spinnereien einsteigen will: Ich habe schon mehrmals über solche dekadenten Auswüchse geschrieben – unter anderem in meiner Abrechnung mit der Woom-Bike-Sekte.)

https://www.strafplanet.com/woom-statusspielzeug-fuer-hipster-eltern-und-investoren/


Wenn dir der Artikel gefallen hat, dir ein Schmunzeln, Kopfschütteln oder einen kleinen Nervenzusammenbruch beschert hat – genau so war’s geplant.

Falls du solchen Wahnsinn öfter möchtest, kannst du den Strafplaneten hier ganz offiziell unterstützen und nichts mehr verpassen:

Abo dalassen und mitfliegen.
Und, du kannst mir gerne auch einen Kaffee spendieren.

Zeig anderen auch diesen Irrsinn!

Tom Weber

Tom Weber – Beruf: Störenfried. Diagnose: chronisch allergisch gegen Heuchelei, Doppelmoral und staatlich geprüften Schwachsinn. Schreibt auf dem Strafplaneten über alles, was im offiziellen Irrenhaus als „normal“ gilt – und daher dringend untersucht werden muss

Post navigation

Leave a Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert