Die 5.000-Dollar-Fata-Morgana:

Wie der Standard vom Anti-Trump-Inquisitor zum treudoofen Hofberichterstatter mutierte

Es gibt Momente im österreichischen Medienzirkus, da reicht das Popcorn einfach nicht mehr aus. Da braucht man ein Hochleistungs-Brechmittel.

Wer erinnert sich noch an die glorreichen Zeiten, als der Standard bei jedem Furz von Donald Trump den moralischen Weltuntergang ausgerufen hat? Damals, als jede unbedachte Äußerung des orangen Meisters als direkte Bedrohung der globalen Demokratie analysiert wurde. Und heute? Heute steht der US-Präsident vor der jubelnden Menge in Dallas und verspricht allen Ernstes jedem US-Bürger 5.000 Dollar Begrüßungsgeld aus der Staatskasse – Voraussetzung: Mehrheit für die Republikaner und das Geld bleibt brav im Land.

Das ist kein Wirtschaftsprogramm. Das ist plumper Stimmenkauf auf dem Niveau eines dorfeigenen Hütchenspielers, der der Landbevölkerung Freibier verspricht, wenn sie ihn zum Feuerwehrkommandanten wählt. Und wie reagiert das Blatt der österreichischen Bildungsbürger-Elitenschicht?

Mit brav abgeknickter Haltung und feinstem Agentur-Weichspüler. Kein verächtliches Wort. Keine schneidende Analyse über den vollkommenen Ausverkauf jeglicher ökonomischer Vernunft. Kein Mucks darüber, dass der Mann, der den Ukraine-Krieg angeblich „in 24 Stunden“ beenden wollte, heute vor explodierenden Spritpreisen steht und den Wählern mit billigsten Helikoptergeld-Träumen Sand in die Augen streut. Stattdessen liest sich der Artikel wie das Protokoll einer Jahreshauptversammlung des örtlichen Taubenzüchtervereins – garniert mit spusu-Werbung und Peugeot-Flotte.

Die Mechanik der Haltungsmischmaschine

Besonders schmerzt der Blick auf die verlogene Doppelmoral dieser Redaktionsstuben:

  1. Gegenüber dem Machtapparat (Washington/Atlantikbrücke): Sobald die Geopolitik-Koordinaten es verlangen oder das kollektive Arschkriechen für Inserate und Wohlwollen ansteht, verwandelt sich der einst so bissige Aufdeckungsjournalismus in ein sanftmütiges Röcheln. Da wird das Auslösen der Notrutsche an der Air Force One fast schon liebevoll als niedliche Anekdote verbucht.
  2. Gegenüber echten Systemkritikern: Tritt hingegen ein Daniele Ganser oder irgendein anderer Abweichler vom narrativen Einheitsbrei auf, um echte Fakten und historische Hintergründe zu präsentieren, mutieren dieselben Schreibtischtäter augenblicklich zu unbarmherzigen Inquisitoren. Da wird skandaliert, zerlegt und diffamiert, als ginge es um die Rettung des Abendlandes.

Das Trauerspiel der „gebildeten Stände“

Das eigentlich Bestürzende ist nicht einmal die Hofberichterstattung selbst – es ist das Publikum. Die selbst ernannte akademische Elite Österreichs schlürft diesen weichgespülten Journalismus-Ersatz morgens zum Hafer-Cappuccino und bildet sich darauf auch noch was ein.

Man sitzt im Wiener oder St. Pöltner Kaffeehaus, nickt die brav vorgekaute Betroffenheit ab und wundert sich im selben Atemzug, warum im Land absolut nichts weitergeht. Wenn die intellektuelle Speerspitze einer Nation ihre Informationen aus einem Blatt bezieht, das bei imperialer Machtpolitik das Rückgrat eines Regenwurms an den Tag legt, braucht man sich über den allgemeinen Zustand der Debattenkultur nicht mehr zu wundern.

Fazit: Donald Trump verkauft seine Wähler für dumm, verspricht 5.000-Dollar-Schecks aus dem Nichts und droht nebenbei mit Militärschlägen – und der Standard schreibt getreulich mit. Mehr Duckmäusertum geht nicht. Prost Mahlzeit.

https://www.derstandard.at/story/3000000339165/iran-trump-krieg-endet-unmittelbar-nach-us-kongresswahlen


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Tom Weber

Tom Weber – Beruf: Störenfried. Diagnose: chronisch allergisch gegen Heuchelei, Doppelmoral und staatlich geprüften Schwachsinn. Schreibt auf dem Strafplaneten über alles, was im offiziellen Irrenhaus als „normal“ gilt – und daher dringend untersucht werden muss

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