Die Zapfsäulen-Logik einer Wirtschaft, in der der Bürger nicht der Kunde ist – sondern das Förderfeld.
Es beginnt immer so:
Kaum hustet irgendwo auf der Welt ein Mullah in Richtung Straße von Hormus, passiert hierzulande etwas Erstaunliches:
Die Zapfsäulen bekommen Schnappatmung.
Der Preis springt nach oben wie ein aufgescheuchtes Eichhörnchen auf Koffein.
Aber nicht in ein paar Tagen oder nächste Woche.
Immer und ganz zuverlässig “Sofort”.
Obwohl der Sprit längst in europäischen Tanklagern liegt.
Obwohl er vor Wochen oder Monaten eingekauft wurde.
Obwohl der Rohölpreis seit Monaten auf Niveau von vor 13 Jahren ist.
Aber das spielt alles keine Rolle.
Denn an der Tankstelle kaufst du längst nur keinen Sprit mehr.
Du kaufst eine Geopolitik-Fantasie aus der Zukunft.
Das Wunder der Einbahnstraße
Der Benzinpreis ist wahrlich ein technisches Wunderwerk.
Er funktioniert wie ein gut servierter Aufzug mit nur einer Taste: Nach oben.
Krieg droht → Preis steigt.
Krieg beginnt → Preis steigt stärker.
Krieg endet → Preis bleibt vorsichtshalber oben.
Frieden → Preis steigt wegen „unsicherer Weltlage“.
Es ist ein faszinierendes Naturgesetz der modernen Ökonomie:
Steigen geht in Sekunden.
Sinken braucht mehrere geologische Zeitalter.
Die große Lagerlüge
Wenn Preise steigen, hören wir immer denselben Kanon:
„Der Markt reagiert nur auf geopolitische Risiken”!
Interessant ist nur:
Der Markt reagiert nie auf volle Lager.
Die europäischen Tanks sind randvoll.
Der Sprit wurde längst billig eingekauft.
Die Lieferketten laufen.
Aber die Konzerne verkaufen dir nicht den Sprit im Tank.
Sie verkaufen dir den hypothetischen Sprit von übermorgen.
Und der ist – welch Überraschung – immer teurer.
Der Bürger als Zapfsäulen-Sponsor
Der größte Trick ist allerdings psychologisch.
Der Bürger hat gelernt:
Krieg irgendwo auf der Welt = Sprit wird teurer!
Also akzeptiert er es automatisch.
Kein Aufschrei.
Keine Untersuchung.
Kein Staatsanwalt, der fragt, warum der Preis innerhalb von Stunden steigt, obwohl der physische Sprit seit Wochen eigentlich schon im Tank liegt.
Der Zapfsäulen-Relativierer – Wenn der Bürger sich die Abzocke selbst erklärt
Die Menschen stehen einfach da, schauen auf die Anzeige und nicken verständnisvoll. „Ja, klar… Krieg im Nahen Osten. Da muss das natürlich teurer werden.“
Der Krieg hat zwar gestern erst begonnen.
Der Sprit liegt seit Wochen oder Monate im Tanklager.
Der Tankwagen hat ihn heute früh noch zum alten Einkaufspreis gebracht.
Europa kauft auch nur 30% von dort ein.
Aber das spielt alles keine Rolle.
Der Bürger steht vor der Zapfsäule, kratzt sich am Kopf und erklärt sich die Sache selbst:
Vielleicht ist das Öl ja schon nervös geworden?
Vielleicht ist es aus Solidarität mit der geopolitischen Lage teurer geworden?
Vielleicht hat der Sprit im Tanklager die Nachrichten gelesen und beschlossen, vorsorglich mehr zu kosten?
Man will ja schließlich nicht unfair sein.
Die armen Konzerne müssen schließlich auch von irgendetwas leben. Und nicht vergessen: Der arme Staat hat ja jetzt auch mehr Kosten, weil die Leute ja jetzt mehr vor dem Fernseher, den Krieg mit der Schnitzelsemmel im Anschlag zu verfolgen…
Und so erledigt der Bürger den wichtigsten Teil der Arbeit gleich selbst:
Er rationalisiert die Abzocke, bevor überhaupt jemand danach fragt.
Das ist die eigentliche Meisterleistung dieses Systems.
Man braucht keine Propaganda mehr.
Keine Rechtfertigungen, oder langen Erklärungen.
Der Kunde übernimmt das Denken einfach selbst und erklärt sich an der Zapfsäule freiwillig und sehr zuverlässig zum Trottel.
Der große Selbstbetrug der Steckdosen-Elite
Währenddessen lehnt sich irgendwo die E-Auto-Fraktion zufrieden zurück und glaubt, sie sei fein raus.
„Zum Glück sind wir vorausschauend gewesen und fahren elektrisch.“ Denn wir haben es ja schon immer gewusst.
Das ist ungefähr so, als würde jemand im sinkenden Kreuzfahrtschiff stolz verkünden, er habe eine Kabine auf Deck fünf statt auf Deck vier.
Kurz zur Erinnerung an die stets moralisch aufgeblähte E-Auto Priesterschaft:
Der Strom kommt nicht nur aus der Steckdose.
Er kommt aus Kraftwerken.
Aus Gas.
Aus Kohle.
Aus Öl.
Aus Märkten.
Aus derselben geopolitischen Irrenanstalt mit globaler Abzocklizenz!
Und wenn Energie teuer wird, dann wird nicht nur der Sprit teuer.
Dann wird immer alles teuer und das so zuverlässig wie eine Schweizer Uhr.
Der Strom.
Die Heizung.
Die Produktion.
Die Lebensmittel.
Die gesamte Wirtschaft.
Aber keine Sorge:
Die Besitzer der rollenden Lithium-Toaster PCs mit Abofunktion werden es schon noch merken. Spätestens dann, wenn sie feststellen, dass ihr moralisch überlegener Strom plötzlich genauso teuer ist wie der Sprit, den sie so gern verachtet haben.
Das Geschäftsmodell der Angst
In Wahrheit funktioniert der Markt heute so:
Wenn irgendwo auf der Welt etwas passieren “könnte”, steigt der Preis.
Wenn etwas tatsächlich passiert, steigt er noch stärker.
Und wenn nichts passiert, bleibt er oben – wegen der Möglichkeit, dass vielleicht irgendwann eventuell etwas passieren könnte.
Das nennt sich im Wirtschaftsjargon: „Einpreisen geopolitischer Risiken.“
Im Volksmund nennt man das: Abzocke, weil man es kann.
90% der Leute haben sowieso keinen Tau, wer wie den Markt kontrolliert.
Der einzige Rohstoff mit wirklich unbegrenzten Reserven
Europa hat kaum Öl. Europa hat kaum Gas.
Aber einen Rohstoff besitzen wir im Überfluss.
Den naiven, leise vor sich hin blökenden Bürger, der brav zahlt und bei all der Abzocke zuverlässig seine Fresse hält, weil: Was soll ich alleine schon dagegen machen?
Und außerdem – man kann es sich ja leisten, oder? Man hat ja gerade sein Leasing verlängert…
Und überhaupt: Wir müssen jetzt alle solidarisch sein.
Das hat man schließlich gelernt.
Erst bei Corona, heute eben an der Zapfsäule.
Und solange dieser Rohstoff zuverlässig an Zapfsäulen, Stromzählern und Heizkostenabrechnungen gefördert wird, muss sich die Energiebranche um eines garantiert keine Sorgen machen:
Nicht um leere Lager. Nicht um geopolitische Krisen.
Sondern höchstens darum, dass der Bürger irgendwann merkt, dass er in diesem System nicht der Kunde ist.
Sondern das verdammte Förderfeld.
Doch das wird noch mindestens 100 Jahre dauern…
Wenn dir der Artikel gefallen hat, dir ein Schmunzeln, Kopfschütteln oder einen kleinen Nervenzusammenbruch beschert hat – genau so war’s geplant.
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