Der Film als Hörspiel für eine neue geistig abwesende Spezies: den Homo Abwesikus Scrollensis
Früher hieß das Kino „Show, don’t tell“. Heute heißt es: „Erklär es, erklär es nochmal – und erklär zur Sicherheit die Erklärung für die ganz besonders Langsamen.“
Was früher ein Film war, ist heute ein Hörspiel mit bewegtem Hintergrundrauschen. Bilder sind nur noch Bewegt-Tapete für Dialoge, die so klingen, als würden sie von einem übermotivierten Ikea-Aufbauhelfer für funktionale Analphabeten gesprochen: „Das ist der Tisch. Er hat vier Beine. Wir brauchen ihn, um Dinge daraufzustellen. Schau, ich stelle jetzt ein Glas darauf.“
Willkommen im Streaming-Zeitalter, wo Filme nicht mehr für Menschen gemacht werden, die schauen, sondern für Handy-Zombies, die nebenbei vegetieren.
Das Publikum schaut nicht mehr – es „konsumiert“ Geräusche
Streamingplattformen wissen etwas, das sie niemals offen zugeben würden: Ihr Publikum schaut keine Filme mehr. Es braucht nur noch eine akustische Begleitmusik für die eigene Bedeutungslosigkeit.
Willkommen beim „Homo Abwesikus TikTokensis Maximalis“. Heute wird ein Film nicht mehr mit 100 % Konzentration konsumiert. Nebenbei wird:
- Wäsche gewaschen.
- Das Handy gestreichelt.
- Das restliche Hirn weggechattet.
Der Film läuft wie ein Podcast mit gelegentlichen Lichtreizen für die Netzhaut. Also passt man das Produkt an diese hochgradig sedierte Spezies an. Man optimiert nicht für die Aufmerksamkeit, sondern für die totale Abwesenheit. Das Ergebnis ist „Content“ für Leute, die eigentlich gar keinen Film sehen wollen, aber das Gefühl brauchen, etwas „gesehen“ zu haben, um beim nächsten Thai-Latte-Treffen mitreden zu können.
Verdummung als Produktdesign
Matt Damon und Ben Affleck haben es bei Joe Rogan unfreiwillig ausgesprochen: Filme werden absichtlich verdummt. Nicht aus Versehen, sondern als notwendige Anpassung an die statistische Massenverblödung.
Netflix weiß: Das Publikum schaut nicht mehr. Es hört maximal zu. Und selbst das nur mit halbem Ohr, weil in den Ear-Pods Pro ein akustischer Brei läuft, den der „Bubius KeinGeschmackus“ für Musik hält – rhythmisch genug, um nicht aufzuwachen, belanglos genug, um nichts zu fühlen.
Also wird in den aktuellen Filmen einfach alles zusätzlich ausbuchstabiert:
- Ein blinkendes Licht? Achtung: „Das ist ein Morsecode, wir müssen ihn entziffern!“
- Ein Geldfund? „Wir verdienen als Polizisten nicht viel Geld, deshalb behalten wir das jetzt!“
- Eine Abkürzung? „Lass mich dir erklären, was CIA bedeutet, obwohl wir beide seit zwanzig Jahren dort arbeiten!“
Das ist kein Drehbuch mehr. Das ist klassisch betreutes Denken für eine Gesellschaft im geistigen Rollstuhl! Ein Bedienungshandbuch für die freiwillige Lobotomie.
Wir erinnern uns: Der heutige TikTok-Zombie „Homo Abwesikus TikTokensis Maximalis“ hat eine Aufmerksamkeitsspanne von genau 12 Sekunden! Alles, was davor oder danach passiert, ist für ihn irrelevant und wird von der Erbse, die sich hinter seinem Schädelknochen befindet, schlicht nicht mehr verarbeitet.
Deshalb greift man jetzt bewusst die Ohren an – denn die sind, im Gegensatz zum Verstand, immer online. Der Film läuft nur noch als Podcast mit gelegentlichen Lichtreizen für die Netzhaut.
Exposition ist das neue Erzählen
Moderne Figuren reden nicht mehr miteinander. Sie kommentieren ihre eigene Existenz für den Zuschauer, der gerade wieder auf sein Display starrt. „Ich rufe ihn jetzt an.“ „Warum?“ „Weil ich nervös bin und der Plot sonst stehenbleibt.“
Das ist kein Dialog. Das ist eine Gebrauchsanweisung für Menschen, die man geistig nicht allein im Raum lassen darf, weil sie sonst die Gabel in die Steckdose stecken.
Früher durfte man als Zuschauer etwas nicht verstehen und es später begreifen. Heute gilt: Wenn etwas nicht sofort kapiert wird, ist das ein „Glitch“. Nicht im Film – sondern beim Zuschauer. Der Zuschauer wird nicht mehr ernst genommen, er wird verwaltet.
Alles muss vorne explodieren – Der Algorithmus als Regisseur
Deshalb beginnt heute jeder Schund-Film mit dem lautesten Moment. Die Explosion. Der Mord. Der Schock. Nicht aus Dramaturgie, sondern weil der Algorithmus peitscht: „Wenn in den ersten drei Minuten kein Blut spritzt, scrollt das Vieh weiter!“
Rückblenden, Zeitsprünge, vorgezogene Höhepunkte – alles nur Köder für die Verweildauer. Der Film wird nicht mehr erzählt, er wird aus dem Scrollverhalten des Users heraus optimiert. Rückwärts gedacht, vom zuckenden Daumen her.
Fantasie ist Risiko, Denken ist eine Systemstörung
Früher hat man dem Zuschauer zugetraut, Eins und Eins zusammenzuzählen. Heute traut man ihm nicht mal mehr zu, unfallfrei zu atmen. Ein Zuschauer, der denkt, fängt an zu fragen. Ein Zuschauer, der fragt, vergleicht. Und wer vergleicht, merkt irgendwann, dass er nach Strich und Faden verarscht wird.
Also lässt man keine Lücke, durch die ein eigener Gedanke schlüpfen könnte. Fantasie ist ein finanzielles Risiko. Ambiguität ist Gift für Plattformen, die nur eines messen: Durchlaufzeit.
Die Guillotine im Kopf
Das Kino ist nicht gestorben. Es wurde weichgekocht. Zerredet. Zerklärt. Zerstreamt. Das neue Kino braucht keine Augen mehr. Man kann es problemlos mit geschlossenen Lidern konsumieren. Alles Relevante wird gesagt, alles Unwichtige bebildert.
Die Guillotine steht nicht mehr im Saal. Sie steht in eurem Kopf. Denn wer sich daran gewöhnt, dass ihm jede Sekunde die Welt erklärt wird, verlernt die wichtigste Fähigkeit: Zu erkennen, wann er gerade wie ein Idiot behandelt wird.
Wenn dir der Artikel gefallen hat, dir ein Schmunzeln, Kopfschütteln oder einen kleinen Nervenzusammenbruch beschert hat – genau so war’s geplant.
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