Es ist eine dieser geopolitischen Grotesken, die so grotesk sind, dass sie im Nachrichtenstudio als „seriöse Analyse“ verkauft werden.
Der Iran, Das Reich des Bösen! Die große Gefahr für die Welt.
So wird es uns seit Jahrzehnten erzählt.
Und wenn man dann einmal fünf Minuten zurück in die Geschichte schaut, steht da plötzlich ein Detail im Raum, das im Fernsehen ungefähr so oft erwähnt wird wie die Nebenwirkungen einer Pharmabroschüre.
Der demokratisch gewählte Premierminister Mohammad Mossadegh wagt in den 50er etwas Ungeheuerliches. Er sagt einen Satz, der im globalen Machtcasino ungefähr so beliebt ist wie ein Brandmelder in einer Zigarrenlounge:
Das Öl des Iran gehört den Iranern.
Bis dahin gehörte es praktisch einer britischen Firma, der Anglo‑Iranian Oil Company, die man heute als BP kennt.
Also macht der Westen das, was er immer macht, wenn Demokratie plötzlich in die falsche Richtung funktioniert.
Er organisiert einen Putsch.
Die CIA und der britische Geheimdienst MI6 starten die Operation Operation Ajax.
Demokratie raus. Marionette rein.
Der neue Mann im Palast heißt Mohammad Reza Pahlavi, besser bekannt als der Schah. Ein König mit Sonnenbrille, westlichen Waffenlieferungen und einer Geheimpolizei, die so freundlich war wie ein Zahnarzt mit Presslufthammer.
Diese Geheimpolizei hieß SAVAK.
Aufgebaut mit Hilfe von CIA und Mossad.
An der tagesordnung: Folter, Verschwindenlassen, Gefängnisse.
Der übliche westliche Werkzeugkasten, wenn man „Stabilität“ herstellen will.
Vierundzwanzig Jahre lang läuft das Geschäft hervorragend.
Das Öl fließt.
Die Konzerne verdienen.
Der Westen klopft sich gegenseitig auf die Schulter. Die wstlichen Werten werden gelebt…
Nur ein kleines Problem entsteht dabei.
Die Bevölkerung des Iran findet Diktatur nicht ganz so sexy.
1979 explodiert das Ganze in der Iranische Revolution.
Der Schah flieht.
Und plötzlich steht im Westen die große Frage im Raum:
„Warum hassen die uns nur?“
Die Antwort ist so simpel, dass sie in geopolitischen Talkshows selten ausgesprochen wird.
Weil man einem Land erst die Demokratie wegputschte, danach eine Folterdiktatur installierte und sich anschließend wunderte, dass irgendwann jemand den Tisch umwirft. Holy Shit!
Seitdem läuft ein erstaunlich stabiles Drehbuch.
Der Iran wird als permanenter Bösewicht erzählt.
Ein Staat, der angeblich jederzeit die Welt anzünden könnte.
Nur eine Kleinigkeit stört diese Erzählung immer wieder.
Der Iran hat in den letzten zweihundert Jahren praktisch keinen Angriffskrieg geführt.
Die Vereinigten Staaten? Nun ja.
Deren Liste militärischer Interventionen, quasi die Weltournee der USA ist ungefähr so lang wie das Kleingedruckte einer scheiß Versicherungspolizze.
Und Israel?
Auch dort wird gerade sehr kreativ mit Grenzen umgegangen.
Aber im Nachrichtenstudio sitzt der moralische Kompass erstaunlicherweise immer genau in die gleiche Richtung gedreht.
Der Iran ist das Problem.
Die eigentliche Ironie ist jedoch eine andere.
Historisch waren Perser und Juden keineswegs Erzfeinde.
Der persische König Kyros der Große ließ im 6. Jahrhundert v. Chr. sogar den Tempel in Jerusalem wieder aufbauen und finanzieren.
Persien war für viele Juden damals ein Schutzraum. Das ist ungefähr das Gegenteil der Geschichte, die heute rund um die Uhr erzählt wird.
Und genau hier beginnt das eigentliche geopolitische Theater.
Denn eines wäre für das globale Machtmanagement fatal:
Wenn sich Iran und Israel irgendwann normal verstehen würden.
So wie es für Jahrzehnte der absolute Albtraum jeder strategischen Denkfabrik war, dass Deutschland und Russland miteinander klarkommen könnten.
Kein Feindbild.
Kein Bedrohungsszenario.
Keine Rechtfertigung für Rüstung, Militärbasen und Sicherheitsapparate.
Und genau deshalb wird der Konflikt ständig neu angezündet.
Nicht weil er unvermeidbar ist. Sondern weil er politisch und wirtschaftlich unglaublich praktisch ist.
Krieg ist ein Geschäft.
Angst ist ein Geschäftsmodell.
Und Geschichte ist nur dann relevant, wenn sie ins Drehbuch passt.
Der Rest verschwindet im Archiv.
Oder in den Fußnoten.
Oder – noch praktischer – gar nicht erst im Schulbuch oder den westlichen, wertebasierten Fake News…
Wer genauer wissen möchte, was damals wirklich im Iran passiert ist, dem empfehle ich das Interview mit dem geschätzten Kayvan Soufi-Siavash (früher KenFM). Darin schildert er – auch anhand seiner eigenen Familiengeschichte – sehr eindrucksvoll, wie diese geopolitischen Verwerfungen entstanden sind.
Und wer darüber hinaus verstehen möchte, wie die amerikanischen „Demokratie-Exporttourneen“ rund um den Globus in den letzten Jahrzehnten abgelaufen sind – wann sie stattfanden, wie sie begründet wurden und wie sie meist endeten – dem sei das Buch Illegale Kriege von Daniele Ganser empfohlen. Danach versteht man ziemlich schnell, warum das Wort „regelbasierte Ordnung“ in manchen Weltregionen eher wie ein besonders schlechter Witz klingt.
Wenn dir der Artikel gefallen hat, dir ein Schmunzeln, Kopfschütteln oder einen kleinen Nervenzusammenbruch beschert hat – genau so war’s geplant.
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