Wenn Lachen zur Gefahr wird – und Komödie zur Rebellion
Es gab eine Zeit, da durfte Humor noch wehtun. Louis de Funès, Bud Spencer & Terence Hill, Didi Hallervorden – sie prügelten, schimpften, grimassierten sich durch absurde Situationen. Sie waren respektlos, körperlich, überzeichnet – und genau darin lag ihre Wahrheit: Slapstick war der große Gleichmacher. Jeder kriegte sein Fett ab. Es ging um Überzeichnung, nicht um Ideologie.
Slapstick war der große Gleichmacher. Jeder kriegte sein Fett ab.
Ein Bürgermeister bekam genauso eine Watschn wie der Dorfdepp.
Es ging nicht um Ideologie – es ging um Menschlichkeit durch Überzeichnung.
Und heute?
Heute analysieren dieselben Leute, die keinen Witz mehr verstehen, warum Monsieur Claude und seine Töchterangeblich rassistisch ist. Weil jede Figur zu echt, zu nah, zu direkt ist. Weil Claude genervt ist von der Political Correctness seiner multikulturellen Familie. Weil man da noch lachen darf, wenn der Libanese, der Chinese, der Israeli und der Katholik gemeinsam im Wohnzimmer sitzen und sich gegenseitig aufs Korn nehmen. Die woke Antwort? „Das geht ja gar nicht!“ – Doch, genau das muss wieder gehen.
Denn Humor ist nicht brav. Humor ist nicht konsensfähig. Humor muss austeilen dürfen – sonst ist er keine Kunst, sondern Kindergeburtstag mit Triggerwarnung.
Und ja, es gibt Hoffnungsschimmer. In Frankreich trauen sich Autoren wieder, den Spieß umzudrehen: Christian Clavier in Monsieur Claude ist herrlich politisch inkorrekt, gleichzeitig aber voller Herz. Und auch in Deutschland, wo der Humor sonst oft bei Mario Barth hängen geblieben ist, flackern Lichtblicke auf: Stromberg mit Christoph Maria Herbst war ein echtes Meisterwerk der Fremdscham. Oder Das perfekte Geheimnis, in dem eine Clique ihre Handys auf den Tisch legt – und dabei zeigt, wie wenig Offenheit eigentlich vertragen wird. Grandioser Zynismus.
Aber wehe, du zeigst den Finger auf diese Heuchelei. Dann heißt es gleich: „Weißer Mann verklärt alte Zeiten.“ Nein. Hier verklärt niemand. Hier wird einfach festgestellt: Der gesunde Menschenverstand ist nicht links oder rechts – er ist einfach selten geworden.
Und das Lachen?
Das ist zum Staatsfeind geworden.
Wer heute noch Witze macht, die nicht vorher durch den Diversity-Rat gelaufen sind, riskiert Shitstorm statt Standing Ovations.
Vielleicht ist es also kein Zufall, dass Louis, Didi und Co. wieder Konjunktur haben. Sie erinnern uns an etwas, das wir verloren haben: die Fähigkeit, über uns selbst zu lachen.
Nicht nur über „die anderen“.
Über uns alle.
Und vielleicht beginnt der kulturelle Aufbruch der Zukunft genau da, wo jemand den Mut hat, einfach mal wieder laut loszulachen – selbst wenn’s nicht allen passt.
Vor allem dann.




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