Die stille Kunst der Selbstzensur

Auslöser war eigentlich eine kleine Pressemeldung:

Der Deutsche Journalistenverband ruft Unternehmen auf, keine Werbung mehr bei „rechtspopulistischen Kanälen“ zu schalten.

Was nach Anstand klingt, ist in Wahrheit ein Paradebeispiel dafür, wie sich Zensur im 21. Jahrhundert tarnt – höflich, moralisch, ökonomisch.

Die Mechanik ist simpel:

Man versieht unbequeme Medien mit Etiketten wie „Hass“, „Fake News“ oder „Populismus“. Dann erklärt man, dass Werbung dort „gesellschaftlich unverantwortlich“ sei. Und schon ist der Geldhahn zu – nicht, weil jemand etwas verboten hat, sondern weil alle gelernt haben, was man besser lässt, wenn man im Spiel bleiben will.

Zensur braucht heute keinen Zensor mehr.

Sie wirkt über Algorithmen, Werbebudgets und soziale Akzeptanz.

Man schafft Begriffe, die keiner hinterfragen kann – Verantwortung, Haltung, Sicherheit, Werte. Dann verknüpft man sie mit Belohnungssystemen.

Wer das Richtige sagt, bekommt Bühne, Reichweite, Projektförderung. Wer abweicht, wird sortiert, geflaggt, herabgestuft.

Keiner hat etwas gelöscht, und doch verschwindet die Vielfalt.

In Redaktionen, Universitäten, Unternehmen funktioniert das längst automatisch. Niemand muss drohen – man spürt einfach, was sagbar ist.

Ein einziger falscher Satz kann Karrieren beenden, also sagen alle das Richtige.

Oder sie sagen gar nichts.

So entsteht eine Meinungslandschaft, in der Angst und Moral dieselbe Sprache sprechen. Die neuen Zensoren tragen keine Uniform, sondern den Anschein der Tugend.

Sie löschen nichts – sie priorisieren.
Sie argumentieren nicht – sie rahmen.
Und sie glauben, sie seien die Guten.

Das Ergebnis ist eine Gesellschaft, in der man alles sagen darf, solange es klingt, als hätte es ein Kommunikationsrat das alles eh genehmigt.

Rubrik Realität:

Freiheit stirbt nicht an Verboten. Sie stirbt an der Belohnung für brave Gedanken und an der stillen Scham, noch eigene zu haben.


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Tom Weber

Tom Weber – Beruf: Störenfried. Diagnose: chronisch allergisch gegen Heuchelei, Doppelmoral und staatlich geprüften Schwachsinn. Schreibt auf dem Strafplaneten über alles, was im offiziellen Irrenhaus als „normal“ gilt – und daher dringend untersucht werden muss

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