Warum es diese „vernünftigen Erklärer“ gibt –

und warum sie nicht mein Zielpublikum sind

Manchmal stolpert man nicht über Inhalte, sondern über Haltungen.

Ich bin eher zufällig auf Substack über einen Autor gestolpert.

Mitte fünfzig, gebildet, ruhig im Ton, argumentativ sauber. Einer von diesen Menschen, die man sofort erkennt: lange genug im System, um seine Sprache perfekt zu sprechen – und klug genug, um nicht plump zu wirken.

Ich habe ein paar seiner Texte gelesen. Nicht einen, sondern mehrere. Nicht oberflächlich, sondern wirklich.

Da war ein Artikel über den Verbrenner und die angeblich unaufhaltsame Elektromobilität. Sachlich, physikalisch korrekt, ökonomisch argumentiert. Kein grüner Kitsch, keine Moralkeule.

Dann ein Text über die Gen Z – dass sie weder faul noch dumm sei, sondern rational auf ein kaputtes Leistungsversprechen reagiere. Auch hier: Zahlen, Studien, klare Struktur.

Und dann noch ein drittes Thema, gesellschaftlich-kulturell, analytisch sauber, mit Soziologie, mit Begriffen wie Verlustangst, Sinnkrise, Übergang.

Alles für sich genommen vernünftig.

Alles gut geschrieben.

Alles schwer angreifbar.

Und genau deshalb habe ich innegehalten.

Nicht, weil ich fundamental widerspreche.

Sondern weil mir etwas aufgefallen ist, das man leicht übersieht, wenn man nur auf Inhalte schaut.

Er ist kein Propagandist.

Er ist kein Lügner.

Er ist etwas anderes – und genau deshalb gefährlicher.

Er ist ein braver Systempfleger.


Der Systempfleger – was er tut

Der Systempfleger greift nie frontal an.

Er moderiert systemische Übergänge.

Er sagt nicht:

„Ihr müsst euch unterwerfen.“

Er sagt:

„Ihr müsst endlich akzeptieren.“

Er erklärt:

  • warum Kontrolle effizient ist
  • warum Alternativen unrealistisch sind
  • warum der Wandel rational und notwendig sei

Er benutzt:

  • Physik
  • Ökonomie
  • Soziologie

Aber nie eine richtige Machtanalyse.

Er erklärt dir, dass etwas passiert, aber nie, wer davon profitiert.


Sein blinder Fleck ist kein Zufall

Auffällig ist nicht, was er sagt.

Auffällig ist, was er genau nie sagt.

Kein Wort über:

  • vollständige Kontrollierbarkeit von Technik
  • digitale Abschaltbarkeit
  • Verhaltenslenkung über Preise, Zugang, Software
  • Abhängigkeit statt Freiheit

Keine Fragen nach:

  • Souveränität
  • Exit-Optionen
  • Machtkonzentration
  • Kontrolle unter dem Deckmantel von Vernunft

Nicht, weil er es nicht könnte, sondern weil er es nicht darf, ohne sein Selbstbild zu gefährden.


Sein eigentliches Ziel

Der Systempfleger will kein neues, vielleicht besseres System.

Er will ein gutes Gewissen im bestehenden.

Er möchte:

  • auf der „richtigen Seite“ stehen
  • nicht radikal wirken
  • nicht anecken
  • nicht falsch liegen

Er will sagen können:

„Ich habe es verstanden. Ich habe es erklärt. Ich war vernünftig.“

Das ist sein Lohn.

Nicht Wahrheit, oder echte Freiheit oder Konsequenz.


Mein Ziel ist ein anderes

Ich schreibe nicht, um zu beruhigen.

Ich schreibe, um Unruhe zu erzeugen.

Aber Nicht Chaos – sondern innere Reibung.

Ich will nicht erklären, warum etwas alternativlos ist.

Ich will zeigen, wem diese sogenannte “Alternativlosigkeit” nützt.

Ich kann zwar nicht:

  • Systeme reparieren
  • Narrative glätten
  • Übergänge moderieren

Aber Ich kann:

  • Macht sichtbar machen
  • blinde Flecken benennen
  • Kontrollmechanismen entlarven
  • Fragen stellen, die man laut dem „Systempfleger“ nicht stellen soll

Warum ich nicht mit solchen Leuten diskutiere

Mit Systempflegern diskutiert man nicht.

Sie verteidigen nicht Thesen.

Sie verteidigen Stabilität.

Ein Dialog mit ihnen endet immer gleich:

  • endlose Differenzierung
  • Quellen gegen Quellen
  • „So einfach ist das nicht“
  • „Man muss auch sehen…“

Am Ende bleibt:

„Wir sind halt unterschiedlicher Meinung.“

Und genau das ist ihre Superkraft.


Für wen meine Texte sind

Nicht für die Blinden, oder für die Bequemen.

Nicht für die, die nur ein gutes Gefühl suchen.

Sondern für:

  • die, die merken, dass „vernünftig“ oft nur ein anderes Wort für „angepasst“ ist
  • die, die spüren, dass Kontrolle nicht laut und in Stiefel kommt, sondern freundlich und in vernünftigen Floskeln verpackt
  • die, die lieber selbst denken, analysieren und kombinieren, als einfach nur “richtig liegen” 

Eine handvoll Leute reichen.

Wenn sie anfangen, selber zu schauen, denken und handeln.


Fazit

Systempfleger erklären dir, warum du loslassen sollst.

Und nennen es dann “Fortschritt”.

Ich frage:

Wer greift zu, wenn du nichts mehr in der Hand hast?

Denn genau dort entscheidet sich, ob wir von Wandel sprechen oder von Verwaltung.


Wenn dir solche Analysen gefallen, teil’s. Die meisten da draußen schlafen und irgendeiner muss sie endlich wecken. 😉


Wenn dir der Artikel gefallen hat, dir ein Schmunzeln, Kopfschütteln oder einen kleinen Nervenzusammenbruch beschert hat – genau so war’s geplant.

Falls du solchen Wahnsinn öfter möchtest, kannst du den Strafplaneten hier ganz offiziell unterstützen und nichts mehr verpassen:

Abo dalassen und mitfliegen.

Zeig anderen auch diesen Irrsinn!

Tom Weber

Tom Weber – Beruf: Störenfried. Diagnose: chronisch allergisch gegen Heuchelei, Doppelmoral und staatlich geprüften Schwachsinn. Schreibt auf dem Strafplaneten über alles, was im offiziellen Irrenhaus als „normal“ gilt – und daher dringend untersucht werden muss

Post navigation

Leave a Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert