
Dieses Meme kennst du.
Du hast es gesehen.
Du hast es geliket.
Vielleicht hast du es sogar gespeichert, weil es so schön ruhig macht.
„Je mehr du das Negative betrachtest, desto größer wird es.“
„Dein Bewusstsein erschafft Realität.“
Ein Satz wie ein Baldriantee für Überforderte.
Warm. Rund. Beruhigend.
Und ungefähr so wirksam wie Weihrauch gegen einen Gerichtsvollzieher.
Die Menschen klammern sich daran, weil es ihnen das Wichtigste abnimmt:
die Pflicht, hinzuschauen.
Denn wenn das Negative nur existiert, weil man es benennt, dann ist Schweigen plötzlich Tugend. Wegsehen wird Weisheit. Feigheit wird Spiritualität.
Praktisch oder?
In der Realität – dieser unkooperativen Sau – kommt das Negative aber ganz von selbst.
Es braucht deine Aufmerksamkeit nicht.
Es braucht keine Energie von dir.
Es ist organisiert. Strukturiert. Durchfinanziert.
Es schickt dir Briefe, Bescheide, Rechnungen, Sperren, Algorithmen und Drohkulissen.
Und während du noch deine Frequenz justierst, justiert jemand anderes für dich die Regeln.
Dieses Meme tut so, als wäre das Böse ein scheues Waldtier, das verschwindet, wenn man es nicht anschaut.
Die Realität ist aber ein Wildschwein mit PR-Abteilung, Rechtsabteilung und politischem Zugang.
„Dein Bewusstsein erschafft Realität“ ist keine Weisheit.
Es ist die spirituelle Version von
Du bist „Selber schuld.“
Wenn du leidest, hast du falsch gedacht.
Wenn du untergehst, hast du zu wenig manifestiert.
Wenn du im Käfig sitzt, hast du die Gitter halt zu intensiv wahrgenommen.
So funktioniert Schuldumkehr mit Räucherstäbchen.
Positive Gedanken in einem kontrollierten System sind kein Widerstand.
Sie sind Dekoration, wie Zimmerpflanzen im Gefängnis.
Hübsch, grün, lebendig – aber die Tür bleibt trotzdem zu.
Und nein:
Erkennen verstärkt das Negative nicht.
Benennen erschafft es nicht.
Anschauen macht es nicht größer.
Im Gegenteil:
Alles, was Macht hat, lebt davon, nicht benannt zu werden.
Alles, was kontrolliert, hasst Klarheit.
Alles, was ausbeutet, liebt es, wenn du deine Wut meditierst statt sie zu richten.
Bevor man von „positiven Visionen“ schwärmt, braucht es drei unangenehme Schritte:
Erstens: erkennen, dass es ein Problem gibt.
Zweitens: benennen, wer davon profitiert.
Drittens: aufhören, diesen Akteuren Energie, Gehorsam und Legitimation zu liefern.
Erst danach – nicht davor – hat Positivität überhaupt eine Berechtigung.
Alles andere ist Selbstberuhigung im Wartezimmer der Zumutung.
Wer dir im Käfig erzählt, du sollst dich auf die Blumen konzentrieren und nicht auf die Stäbe, ist kein Weiser.
Er ist blinder Wärter.
Oder schon so lange Insasse, dass er die Gitter für Natur hält.
Die Realität braucht keinen Lavendel.
Sie braucht Bewusstsein – nicht als Watte, sondern als Klinge.
Wenn dir der Artikel gefallen hat, dir ein Schmunzeln, Kopfschütteln oder einen kleinen Nervenzusammenbruch beschert hat – genau so war’s geplant.
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