Neuer Feldbericht vom Strafplaneten XXX-Lutz

Ich wollte heute einfach nur ein bisschen gehen. Drei Kilometer Stadtwald, frische Luft, ein bisschen Restwürde für den Körper. Ging nicht. Alles vereist, spiegelglatt, Lebensgefahr inklusive. Die Stadt hat beschlossen: Wer sich bewegt, tut das auf eigenes Risiko. Früher hat man St. Pölten in Salz ertränkt, heute spart man sich selbst den Anschein von Verantwortung. Wenn’s dich auf die Papp’n haut, beschwer dich halt beim hiesigen Salzamt. Oder beim Schicksal. Oder geh einfach nicht mehr raus. Gesundheitsvorsorge durch Stillstand.

Das ist eine Randnotiz. Die eigentliche Nummer beginnt danach.

Ich steige also wieder ins Auto und fahre beim letzten verbliebenen Möbelmonopolisten vorbei. 9:15 Uhr. Parkplatz voll. Schwarz, silber, weiß – Pensionistenlackierungen und SUV’s, so weit das Auge reicht. Ich denke mir: Na gut, offenbar Lockangebote, Schnäppchen, der übliche Beilagen-Zauber. Also rein in den Konsumtempel.

Drinnen: nichts.

Keine Menschen. Kein Leben. Nur Verkäufer, die sich gegenseitig beim Dasein zuschauen. Ein paar verlorene Kunden wie Statisten in einer verlassenen Shopping-Mall. 10.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, verteilt auf mehrere Etagen, und der Laden wirkt wie ein Museum für gescheiterte Wohnträume, in denen ein paar Statisten stehen.

Die Preise hingegen sind sehr, sehr lebendig.

Couchtische mit drei Beinen und Glas um schlappe 500 Euronen. Sofas ab 1.500 aufwärts bis in Preisregionen, wo man früher ein Auto bekommen hat. Küchen ohne Preisschild. Nicht, weil sie so günstig wären, sondern weil man sich nicht mehr traut, die Zahl hinzuschreiben. Also stehen nur noch die Einbaugeräte dort. Ich rechne spaßeshalber zusammen: 12.000 Euro, nur für die Geräte. Der Rest der Küche? Kriegst du nur, wenn du uns dein Haus deine Familie und deinen Hund überschreibst!

Überraschung, es gibt aber auch noch die simplen 2m breiten Küchenblöcke. Damals: 2.000 Schilling. Heute: 2.000 Euro. Zehnfacher Preis, mehr Plastik, mehr Holzstaub, weniger Substanz, genauso hässlich wie damals. Fortschritt nennt man das.

Und dann dämmert es mir.

Die Leute sind nicht zum Kaufen da.

Sie sind zum kollektiven Fressen hier.

Dritter Stock. Restaurant. Jeder Tisch voll. Ausnahmslos. Pensionisten, Arbeitslose, Daueraufenthalter. Laut, zufrieden, bestens versorgt. Ein subventionierter Futtertrog mitten im Möbelhaus. Das eigentliche Kerngeschäft dieses Konzerns ist längst nicht mehr Wohnen, sondern Sattmachen. Möbel sind Kulisse. 

Die Marge liegt im Schnitzel mit Fritten!

Die Gäste dort, sind dieselben Leute, die dir erklären, du sollst wählen gehen, Haltung zeigen, Demokratie verteidigen. Die dir rechte Tendenzen unterstellen, wenn du Klartext redest. Aber kein Problem damit haben, dass lokale Wirte reihenweise eingehen, weil man lieber im Möbelhaus für schlankes Geld fein frühstückt. Moral hört beim eigenen Wampenvolumen auf. Danach ist alles egal.

Und das Ganze betrieben von einem Monopolisten, der in Österreich faktisch konkurrenzlos ist. Nach Benko blieb kein Markt, sondern ein Alleinherrscher mit Kantinenbetrieb. Ein Milliardenkonzern, der Hersteller in Geiselhaft hält, Politiker mit Massenentlassungen erpressen kann und im Gegenzug Förderungen kassiert – bezahlt vom Steuerzahler. Dafür laufen seine peinlichen Werbespots im Dauerschleifen-Mainstream. Millionen für Werbung, Peanuts für Steuern. Wien bedankt sich mit Champagner, Partys und Bussi-Bussi-Agenturen.

Der Architekt dieses Systems? Ein ehemaliger Politdarsteller und Finanzminister mit Musterkarriere: Wirtschaft, Politik, Sonderregeln, Steuerschlupflöcher, Millionenvermögen, Klagsdrohungen. Fragen dazu werden abgesaugt, abgeblockt, eingeschüchtert. Transparenz ist etwas für Broschüren, nicht für Lebensläufe.

Das Ergebnis sehen wir heute live:

Eine Stadt, die nicht mehr streut.

Ein Möbelhaus, das nicht mehr verkauft.

Eine Gesellschaft, die nicht mehr denkt.

Aber alle sind satt. Und zufrieden. Und überzeugt, auf der richtigen Seite zu stehen.

Willkommen im Restaurantimperium mit angeschlossener Wohnkulisse


Wenn dir der Artikel gefallen hat, dir ein Schmunzeln, Kopfschütteln oder einen kleinen Nervenzusammenbruch beschert hat – genau so war’s geplant.

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Tom Weber

Tom Weber – Beruf: Störenfried. Diagnose: chronisch allergisch gegen Heuchelei, Doppelmoral und staatlich geprüften Schwachsinn. Schreibt auf dem Strafplaneten über alles, was im offiziellen Irrenhaus als „normal“ gilt – und daher dringend untersucht werden muss

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