Wenn Konzerne plötzlich Demokratie verteidigen wollen

Die medienpolitische Bühne wird gerade neu abgesteckt – und zwar unter einem Banner, das bei näherem Hinsehen schwer nach Lobbyismus im Demokratiepelz riecht.

Laut einer Studie des Beratungsunternehmens FehrAdvice – beauftragt von der Verwertungsgesellschaft Corint Media – verdient Google in Deutschland rund 3,2 Milliarden Euro im Zusammenhang mit journalistischen Inhalten. Der Schluss daraus: Google schuldet den Verlagen Geld. Viel Geld. Genauer: 1,3 Milliarden Euro sollen den „Content-Lieferanten“ in einem Akt ökonomischer Fairness zustehen. Das ist zumindest die Erzählung, die aktuell von großen Medienhäusern wie Springer, ProSiebenSat.1 oder RTL durch den Äther gedrückt wird.

Doch wer hinsieht, merkt schnell: Hier geht es nicht um Demokratie, Meinungsfreiheit oder den Erhalt unabhängigen Journalismus. Es geht um Marktanteile, Umsätze und den verzweifelten Versuch der etablierten Medienhäuser, ihr eigenes Geschäftsmodell im digitalen Zeitalter gegen die Übermacht von Google, Meta & Co. zu retten.

Die Methode: Wissenschaft als Währung

Das „verhaltensökonomische Experiment“ klingt seriös: Zwei Versionen einer Google-Suche wurden simuliert – eine mit journalistischen Inhalten, eine ohne. Ergebnis: Nutzer bevorzugen Inhalte mit journalistischem Charakter, und sie wären sogar bereit, dafür mehr zu zahlen. Daraus wird eine monetäre Bewertung abgeleitet: 24 % mehr Wertschöpfung durch Medienbeiträge. Zack – daraus bastelt man dann einen Milliardenanspruch.

Doch diese methodische Gymnastik ignoriert Wesentliches: Google verlinkt Inhalte. Es ist ein Aggregator, kein Content-Hoster. Niemand zwingt Verlage, ihre Inhalte durchsuchbar zu machen. Wer will, kann sich aus Google aussperren. Doch dann bricht die Reichweite weg – und das ist das eigentliche Dilemma.

Die Heuchelei der großen Häuser

Corint Media vertritt fast alle privaten Medienriesen in Deutschland. Es sind dieselben Häuser, die in den letzten Jahren aktiv an Meinungskorridoren gebaut, kritische Stimmen diffamiert und an der ideologischen Gleichschaltung mitgewirkt haben. Dass diese Akteure nun plötzlich das Banner der „demokratischen Infrastruktur“ hochhalten, ist nicht nur ironisch – es ist entlarvend.

Denn die viel beschworene „journalistische Vielfalt“ wird längst selbst von diesen Häusern untergraben – durch Konzernlogik, Einheitsmeinung und systematische Ausgrenzung unliebsamer Narrative. Wer heute als journalistisches Medium vom Presseleistungsschutz redet, meint oft: „Wir wollen Geld, ohne echte Vielfalt zu liefern.“

Die gefährliche Symbiose

Wenn Medienkonzerne sich als Opfer aufspielen, während sie faktisch Teil der Machtstruktur sind, dann verschwimmt die Grenze zwischen vierter Gewalt und Erfüllungsgehilfe. Der Ruf nach Regulierung und Ausgleich ist verständlich – aber er verliert seine Glaubwürdigkeit, wenn er aus den Mündern derer kommt, die sich längst vom Auftrag der Aufklärung verabschiedet haben.

In Wahrheit ist das, was wir hier sehen, ein Machtkampf zwischen alten und neuen Oligarchien. Und wie immer wird die „Demokratie“ als PR-Waffe eingesetzt, um sich moralisch zu legitimieren.

Was bleibt?

Nicht Google gefährdet die Meinungsvielfalt – sondern ein Medienapparat, der seine Glaubwürdigkeit verspielt hat und nun versucht, über den Gesetzgeber die Kassen zu füllen. Wer das Spiel nicht durchschaut, hält am Ende Google für das Böse – und Springer für den Wächter der Pressefreiheit.

Und das ist vermutlich der größte Irrtum von allen.

Quelle: https://kress.de/news/beitrag/149803-starkes-stueck-google-soll-deutschen-medien-rund-1-3-mrd-euro-schulden.html?xing_share=news


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Tom Weber

Tom Weber – Beruf: Störenfried. Diagnose: chronisch allergisch gegen Heuchelei, Doppelmoral und staatlich geprüften Schwachsinn. Schreibt auf dem Strafplaneten über alles, was im offiziellen Irrenhaus als „normal“ gilt – und daher dringend untersucht werden muss

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