Warum ein 75-jähriger Mafioso mehr Gemeinschaftssinn erzeugt als die gesamte moderne Selbstoptimierungs- und Opferindustrie zusammen.
Ich sitz gerade vor der Glotze, Staffel 2 vom Tulsa King, spiralaugig wie ein hypnotisiertes Murmeltier nach drei Red Bull, und denk mir: Heast, der erinnert mich a bissl an die alten Zeiten! Oder zumindest der Spirit, den man heute nimmer kriegt, weil er vom Zeitgeist schon längst in die links-woke Biotonne entsorgt wurde.
Damit’s jeder kapiert, der die Serie nicht kennt: Tulsa King ist die Geschichte von Dwight „The General“ Manfredi, einem italienischstämmigen Mafia-Soldaten, der 25 Jahre im Häfn war – weil er für die “Familie” seinen Mund gehalten hat. Loyal bis zur Selbstvernichtung. Und wie bedankt sich die „Familie“ bei ihm nach der Entlassung? Sie schicken ihn nach Tulsa, Oklahoma. Also ins amerikanische Weinviertel aber mit Drive-Thru. Dorthin, wo sich Fuchs, Henne und Meth-Farmer gute Nacht sagen.
Und genau dort kracht dieser altgediente Mafiosi – ein Mann der 70er und 80er – frontal in die hypermoderne woke Zuckerwattewelt von heute. Es ist ein Clash wie der Wiener Strizzi trifft auf modernen Softshell-Selbstoptimierungs-Mensch.
Und deshalb funktioniert die Serie so gut.
Dwight Manfredi gespielt von Altspatz Sylvester Stallone, der alte Haudegen – marschiert durch die Serie wie ein Fossil einer untergegangenen Spezies. Eine Spezies, die es bei uns früher in Wien auch gab. Wir nannten sie Strizzi oder Strizzibua. Halb-Gauner, halb-Gentleman, 100% Rückgrat. Keine Instagram-Selfcare-Deppen, sondern Männer mit einem Ehrenkodex, der härter war als die Kruste vom einer Schweizerhaus-Stöz’n (Stelze= gegrillte Schweinshaxe, Schweizerhaus=ein Wiener Topgasthaus im Wiener Prater)
Warum fasziniert mich das so?
Weil die Serie eine Realität herzeigt, die wir verloren haben. Und der Dwight hält uns den Spiegel hin und sagt im Grunde: Schauts euch an, ihr verweichlichten Eierbär’n. Früher war die Welt nicht perfekt, aber wenigstens war’s keine betreute Wohngemeinschaft links-woker Tunten und Grasraucher.
Früher: Der Code
Früher, in den 70ern und 80ern, gab’s in Wien denselben Typus Mann wie Dwight. Wir nannten sie Strizzi oder Strizzibua. Ein sehr eigener Schlag Mensch:
Ein Wort war ein Wort.
Ein Handschlag war mehr wert als heut 40 Seiten AGB.
Respekt war keine Identity-Option, sondern Basis aller Verhandlungen.
Und wer sich aufführt wie ein Arschloch, bekam keinen „Safe Space“, sondern eine klare Rückmeldung in Kieferhöhe auf Wienerisch: Keks mit Stahlkant’n
Strizzis haben vielleicht Dreck am Stecken gehabt – aber sie hatten Loyalität, Ehre, Rückgrat und eine soziale Intelligenz, die man heute in Laboren sucht wie ein ausgestorbenes Kasein-Protein.
Heute: Der Strafplanet-Zirkus
Nach 25 Jahren Knast kommt Dwight in eine Welt, die aussieht wie ein emotional überbetreuter Strafplanet-Selbstversuch. Die aktuelle “Wokeria”.
Die heutige Generation erklärt ihm dann mit moralischer Handpuppentheatralik:
dass Worte Gewalt seien
dass Gefühle wichtiger sind als Realität
dass Identität täglich upgedatet werden muss
und dass Männer mit Rückgrat „problematisch“ sind
Und Dwight?
Dieser Blick.
Dieser legendäre „Wos is jetzt mit euch los?“-Schädelpressblick mit hochgezogner Augenbraue.
Für ihn ist diese neue Welt ein einziger pädagogischer Kindergeburtstag. Ein moraltherapeutisches Gruppendrama, wo alle dauernd Verständnis einfordern, aber keiner sein Leben auf die Reihe kriegt.
Tulsa King wird so zur unfreiwilligen Soziologiestudie: Ein Mann aus der alten Welt trifft auf eine Generation, die sich selbst ständig als „stark“ definiert, aber beim kleinsten verbalen Windstoß zusammenfällt wie ein 50kg Leichtgewichtsboxer nach einer Kopfnuss von Mike Tyson.
Der Clash: Strizzi vs. Softshell-Mensch
Dwight kracht in die Gegenwart wie ein Wiener Strizzi, der versehentlich in einen Diversity-Workshop stolpert.
Aus seiner Sicht gelten klare Naturgesetze:
Wennst an Scheiß baust, putz z’samm.
Wennst wem was schuldest, dann zahl’s.
Wennst wem was antust, sei bereit fürs Echo, vermutlich auf deiner Kauleiste.
Und wennst redest, red wie ein Mensch und nicht wie ein Empowerment Guru auf Linkedin
Dann trifft er auf diese Plastikmenschen, die dir erklären wollen, dass Gewalt in Sprache beginnt – während sie gleichzeitig jeden canceln, diffamieren und ruinieren, sobald du nicht ihre 42 Identitäts-Wattebäusche streichelst.
Dwight versteht das nicht.
Wir verstehen das auch nicht.
Und genau dort wird’s genial.
Warum der Tulsa King funktioniert
Dwight ist der Archetyp Mann, den man heute dringend bräuchte, aber systematisch aus der Gesellschaft weggezüchtet hat:
Loyal
Fair
Direkt
Hart, aber gerecht
Nimmt Verantwortung
Verarscht dich nicht
Kein Opfer ge’sudere
Eier aus Stahlbeton
Und null Geduld für woke Moral-Zivildiener, die ihm erklären wollen, wie Leben geht
Er ist das Antiserum zu unserer weichgewaschenen Moral-Influencer-Zeit.
In seiner Rolle als City Cobra Bulle brachte Stallone es in den 80er schon auf den Punkt: Du bist eine Krankheit und ich die Medizin! Ein Satz der sich bis heute bei mir eingeprägt hat.
Er bringt das zurück, was fehlt: Klarheit, Konsequenz, Mut.
Eine Haltung, die sagt: Schleich di mit deiner Opfernummer – und benimm dich wie ein Erwachsener.
Dwight ist der letzte Vertreter einer aussterbenden Gattung: Männer, die handeln statt nur zu labern.
Finale – Die wahre Botschaft von Tulsa King
Und genau dort liegt die eigentliche Wucht der Serie: Dwight kommt in diese Welt voller eierloser Einzelkämpfer, die alle glauben, Unabhängigkeit sei, niemanden zu brauchen – und gleichzeitig im Leben keine fünf Minuten ohne ihr Handy überleben würden. Eine Truppe aus Kiffern, Tagträumern und moralisch verwirrten Alleingängern, die keinerlei Vorstellung mehr haben, was Loyalität, Zusammenhalt oder Respekt bedeuten.
Und was macht er?
Er baut aus ihnen eine Familie.
Nicht im mafiösen Sinn – sondern im menschlichen.
Er zeigt ihnen Dinge, die früher selbstverständlich waren und die heute durch Social Media aus dem kollektiven Gedächtnis gelöscht wurden:
Dass man füreinander da ist.
Dass man zusammenhält.
Dass man sich gegenseitig schützt.
Und dass ein Wort etwas zählt.
Aus einer Ansammlung von verlorenen Typen wird plötzlich eine Bande, die füreinander einsteht.
Nicht, weil sie perfekt sind – sondern weil Dwight ihnen etwas gibt, das in dieser weichgekochten Zeit fast niemand mehr kennt:
Ein Gefühl von Zugehörigkeit.
Und genau das ist der Punkt, der hängenbleibt:
Ein alter Strizzi kommt nach 25 Jahren Knast in eine Welt voller Orientierungslosigkeit und baut trotzdem das, was die Moderne nicht mehr zusammenbringt –
eine echte Gemeinschaft.
Und in solchen Momenten denk ich mir:
Vielleicht braucht’s gar keine großen Reden, keine Identitätszirkel, keine Opferleitfäden.
Vielleicht braucht’s nur einen Dwight Manfredi, der sagt:
„Heast, reißts eich endlich wieder z’samm. Schau auf deine Leit. Und lass’z den Scheiß.“
„Weil das am Ende das Einzige ist, was funktioniert hat – und immer funktionieren wird.“
Wenn dir der Artikel gefallen hat, dir ein Schmunzeln, Kopfschütteln oder einen kleinen Nervenzusammenbruch beschert hat – genau so war’s geplant.
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