Note – Premiumland der gepflegten Selbstabzocke
Ich habe das um die Jahrtausendwende in den USA live gesehen. Damals hieß es noch gönnerhaft: Das ist halt Amerika.
Heute wissen wir: Nein. Das war nur die Vorabversion von dem, was man dem deutschen Kunden seit Jahrzehnten serviert.
Audi verkaufte dort den Audi Q5 in Vollausstattung. V8, volle Hütte, alles drin, was hierzulande später nur gegen Erstgeborenes, Organspende und Sonderleasing zu haben war. Preis: rund 45.000 Dollar. Und jetzt kommt der Teil, der das Märchen endgültig zerlegt: Die Karren wurden in Deutschland gebaut, hier auf ein Schiff gestellt und über den Atlantik gekarrt. Kein China, kein Billigland, kein Lohndumping.
Und trotzdem: drüben halb so teuer.
Hier: locker das Doppelte.
In den USA konntest du ein Auto ohne Vollausstattung praktisch nicht verkaufen. Der Kunde wollte Leistung, Komfort, Leder, Sound – sonst blieb der Wagen stehen. In Deutschland hingegen lernte der Kunde schon früh, stolz dafür zu sein, weniger zu bekommen. Das nannte man dann „bewusst konfigurieren“. In Wahrheit war es frühe Erziehung zur Selbstkasteiung.
Und damit ist auch klar:
Der Diesel-Skandal ist kein Wendepunkt gewesen. Er war nur der Moment, in dem kurz jemand den Vorhang zur Seite schob. Das Abkassieren lief da schon seit Jahrzehnten wie ein Schweizer Uhrwerk.
Jetzt erklärt ein deutscher Influencer – ganz brav, ganz sachlich –, warum Autos in China halb so viel kosten wie bei uns. Spoiler: nicht wegen billiger Arbeiter, nicht wegen unfairer Subventionen, nicht wegen Zauberfabriken aus Jade und Einhorntränen.
Sondern weil man es hier verlangen kann.
Gleiches Auto. Gleiche Teile. Gleiche Technik.
Drüben: ~25.000 Euro.
Hier: +25.000 bis 30.000 Euro “Aufpreis” für das gute Gefühl, „im richtigen Markt zu leben“.
Personalkosten? 10–12 %.
Produktionsvorteil China? 10–15 %.
Preisunterschied? 100 %.
Der Rest ist das, was Betriebswirte liebevoll „Marktausschöpfung“ nennen und normale Menschen früher schlicht Abzocke nannten.
Das Beste daran:
Wir haben diese Konzerne selbst großgezogen. Mit Markentreue wie Religionsersatz, mit Standort-Stolz wie Selbsthypnose, mit Politik, die lieber Standortdebatten führt, als Preisfragen zu stellen.
Und jetzt stehen wir da, wundern uns über den Kassenzettel und fragen ernsthaft:
„Warum sind Autos bei uns so teuer?“
Antwort:
Weil wir gelernt haben zu zahlen.
Weil wir gelernt haben zu schweigen.
Weil wir gelernt haben, Verarschung als Premium zu verwechseln.
Man hat hier immer schon kassiert, was ging. Weil der Markt es hergab. Weil der deutsche Kunde sich einreden ließ, Preis sei ein Qualitätsmerkmal. Und weil Politik, Medien und Industrie in trauter Einigkeit erklärten, das müsse halt so sein.
Kurz gesagt:
Wir wurden nicht betrogen, weil Konzerne böse wurden.
Wir wurden betrogen, weil wir es bis heute zugelassen haben.
Und weil man dem deutschen Kunden jahrzehntelang erfolgreich eingeredet hat, Abzocke sei ein Qualitätsmerkmal – solange nur „Made in Germany“ draufsteht.
Wenn dir der Artikel gefallen hat, dir ein Schmunzeln, Kopfschütteln oder einen kleinen Nervenzusammenbruch beschert hat – genau so war’s geplant.
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