Musketeer – Ritter im Dienste der Dose

Red Bull sucht neue Helden. Keine Ingenieure, keine Tüftler, keine Denker. Nein: Musketeers.

Red Bull sucht neue Helden. Nicht im Cockpit, nicht im Extremsport, nicht einmal auf der Bühne – nein, an der Front der Dosenverteilung.

Jobtitel: Außendienst Gastronomie / Musketeer – Niederösterreich

Die Ausschreibung klingt wie ein Märchenbuch für Verzweifelte:

„Die Tanzfläche bebt … mittendrin stehst Du und klopfst Dir stolz auf die Schulter.“

Stell dir das bitte vor: Ein Konzern verspricht dir Applaus fürs Eigenlob. Weil am Ende des Tages niemand sonst klatscht, wenn du einen weiteren Gastro-Kühlschrank „beflügelt“ hast.

Klingt nach Dumas, Fechtkunst, Ehre.

Hinter der Rhetorik steckt nichts anderes als ein klassischer Außendienstjob: Bars abklappern, Clubbesitzer becircen, Dosen verteilen, Statistiken führen. Aber das klingt halt nicht sexy – also nennt man dich „Musketeer“, als würdest du Schulter an Schulter mit Athos und d’Artagnan gegen die Finsternis reiten.

Stattdessen reitest du gegen den Monatsabschluss.

Das Stelleninserat liest sich wie ein Katechismus der Selbstverarsche:

– „Die Tanzfläche bebt, mittendrin stehst Du …“

→ Nein, Kollege. Mittendrin stehst du mit dem iPad und bettelst den Clubbesitzer, ob er nicht noch einen Kühlschrank mit Flüüügeln braucht.

– „You are your own boss“

→ Natürlich! Bis auf den Teil, wo du jede Stunde dokumentieren musst, wie viele Kühlschränke du verschoben und wie viele Barkeeper du „begeistert“ hast. Eigenverantwortung heißt hier: volle Kontrolle abgeben – nur eben hübscher verpackt.

– „Stechuhr? Fehlanzeige!“

→ Übersetzung: Es gibt keine geregelte Arbeitszeit, weil du praktisch immer im Einsatz bist. Du bist selbst die Stechuhr – verfügbar rund um die Uhr, bis dich das Hamsterrad mehr beflügelt als der Drink selbst (Herzrasen inklusive).

– „Hits & Misses dokumentieren“

→ Schönes Wort für: aufschreiben, wann dich ein Wirt rausgeschmissen hat. Reporting klingt halt edler als „Wann dich der Wirt wegen deinem gelaaber rauskickte“.

Und dann das Gehalt: kollektivvertraglich 2.446 Euro brutto = am Ende 1.900 Euro netto fürs 24/7-Dosenreiten.

Aber hey – „deutlich mehr“, verspricht Red Bull. Klar, vielleicht sogar 2.600, wenn du brav die Flügelspannweite deiner Region maximierst.

Der Rest ist Diversity-Gelaber, wie es sich gehört. Hauptsache, der neue „Musketeer“ ist divers, aber bitte mit Führerschein und Bereitschaft, sein komplettes Leben dem Dosenimperium für Peanuts zu opfern.

Die Buzzwords sind eine eigene Folterkammer:

– „Playgrounds erschließen“ = neue Kneipen finden, die deine Plörre noch nicht haben.

– „Hotzones erfolgreich umsetzen“ = in der dritten Dorfdisco den Barkeeper überzeugen, ein Red-Bull-Banner aufzuhängen.

Die Wahrheit ist:

Das ist kein Abenteuer, keine Mission, kein Lifestyle. Es ist ein Bullshit-Job in Rüstung, ein Rittertitel fürs Klinkenputzen. Eine Verbeugung vor der Marketingmaschine, die aus ordinärem Vertrieb einen Sakralakt macht.

Und jetzt die entscheidende Frage: 

Wer schreibt so einen Mist?

HR-Mönche, die aus Dosenvertrieb einen Glaubensakt schnitzen. Menschen, die glauben, dass man aus Bullshit Würde pressen kann, solange man genug Buzzwords drüberschüttet.

Und 

wer bewirbt sich darauf?

Leute, die in ihrer Insta-Bio „People Lover“ schreiben, „Trendscout“ für ein Lebenswerk halten und Netzwerken als Beruf sehen. Menschen, die glauben, dass „Lifestyle“ bedeutet, nachts von Club zu Club zu ziehen, während sie Excel-Tabellen mit „Misses“ füllen.

Sie werden in Ritterrüstung gesteckt, bekommen den Titel Musketeer – und bleiben am Ende doch nur Fußsoldaten im Umsatzkrieg.

Man müsste Mutwillen entwickeln, diesen Job kleinzureden.

Doch Mutwillen ist das Einzige, was bleibt, wenn man diese Ausschreibung bis zum Ende liest – irgendwo zwischen Diversity-Gebet und der Aufforderung, sich bitte „stolz auf die Schulter“ zu klopfen.

Und wer jetzt wieder glaubt, der Weber übertreibt mal wieder: Hier die Bibelstelle im Origina: Zur Job- Anzeige.


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Tom Weber

Tom Weber – Beruf: Störenfried. Diagnose: chronisch allergisch gegen Heuchelei, Doppelmoral und staatlich geprüften Schwachsinn. Schreibt auf dem Strafplaneten über alles, was im offiziellen Irrenhaus als „normal“ gilt – und daher dringend untersucht werden muss

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