Von Zeit zu Zeit, wenn wieder irgendein Mittelständler in meinem Umfeld sich verbal etwas zu weit aus dem Fenster lehnt und allen erklären möchte, wie erfolgreich er sei. Wie hart er täglich dafür arbeitet. Wie gut er es „trotz allem“ geschafft hat.
Dann spiele ich gern ein kleines Fragespiel.
Ich frage zuerst:
Würdest du dich selbst für eine intelligente Person halten?
Die Antwort ist fast immer ein klares Ja.
Dann frage ich weiter:
Hast du dir eigentlich schon einmal ausgerechnet, wie viel Geld du und dein Unternehmen in den letzten, sagen wir, 30 Jahren erwirtschaftet haben?
Meist kommt:
Nicht ganz genau, aber vermutlich mehrere Millionen.
Dann stelle ich nur noch eine Frage:
Wow, kannst du sie mir zeigen? Ich habe ehrlich gesagt noch nie einen Millionär getroffen. Die Kohle liegt vermutlich in deinem Keller – warum hast du mir das nie gezeigt?
Und dann passiert etwas Interessantes.
Meistens befremdetes Schweigen.
Meistens aber ein Ausweichen, Relativieren oder Abwinken.
Irgendwann der Satz:
Ja, aber was soll man machen, „die“ nehmen einem halt so viel weg …
Aha.
Wenn ich dir dein Bier jetzt vor dir wegsaufe, gibt’s sofort maximalen Stress.
Wenn dir ein System über Jahrzehnte Millionen absaugt, ist das plötzlich alles ganz normal.
An dieser Stelle kippt die Stimmung fast immer.
Aber nicht gegen das System.
Sondern gegen mich. Ich bin plötzlich das Übel, weil ich ihm gerade ganz frech den Spiegel hingehalten habe …
Was hier psychologisch passiert
Dieses Fragespiel ist deshalb so unangenehm, weil es nichts angreift, sondern zwei Dinge kollidieren lässt.
Auf der einen Seite das Selbstbild:
Ich bin intelligent. Ich bin fleißig. Ich bin erfolgreich.
Auf der anderen Seite die nüchterne Bilanz:
Jahrzehntelange Arbeit, rechnerisch enorme Wertschöpfung – und trotzdem kein wirkliches Vermögen, keine wirkliche Freiheit, keine echte Souveränität.
Das ist keine politische Diskussion.
Das ist eine knallharte Rechnung aus der Rubrik Realität.
Und diese Rechnungen lassen sich nicht wegargumentieren.
Die Wut richtet sich deshalb fast nie nach oben, sondern sofort nach unten. Auf den, der die Frage stellt. Denn der hat nicht das System angegriffen, sondern die Gewinner-Erzählung. Er hat dich als den entlarvt, der du eigentlich bist … und das ist sicher nicht der Gewinner!
Viele halten sich für Sieger, weil sie ein Haus abbezahlen, ein Auto fahren und irgendwie durchgekommen sind. Dass dafür ein ganzes Leben nötig war und der Großteil des Erwirtschafteten längst woanders liegt, wird dabei komplett ausgeblendet.
Das ist per se keine Dummheit.
Sondern simpler Selbstschutz.
Denn wer das wirklich und ehrlich zu Ende denkt, müsste sich eingestehen:
Shit, ich habe nicht gewonnen. Ich habe nur funktioniert. Und müsste mal alles in Relation setzen. Bei dieser Rechnung schaut’s dann ziemlich mies aus – so 70 % des erwirtschafteten Geldes einfach weg!
Das ist psychologische Selbstverteidigung. Würden sie sich eingestehen, was da passiert ist, müssten sie sich eingestehen, dass sie jahrzehntelang in einem Spiel mitgespielt haben, dessen Regeln gegen sie liefen – und dass sie das akzeptiert haben.
Und das halten viele nicht aus.
Und genau deshalb reagieren viele so allergisch.
Nicht, weil man sie diffamiert oder vielleicht die Unwahrheit sagt.
Sondern weil man ihnen einen Gedanken zumutet, den sie sich selbst nie erlaubt haben.
Solange das so bleibt, brauche ich keine großen Theorien erklären.
Das kleine Fragespiel hier reicht völlig.
Und die freche Frage dazu: Wie lange wollt ihr dieses scheiß Spiel noch mitmachen? Und wie lange wollt ihr weiter nach oben buckeln und nach unten treten und euch trotzdem über alles und jeden erhaben fühlen?
Wenn dir der Artikel gefallen hat, dir ein Schmunzeln, Kopfschütteln oder einen kleinen Nervenzusammenbruch beschert hat – genau so war’s geplant.
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