Mir fällt immer öfter auf, dass es Menschen gibt, die vorgeben, „das System durchschaut“ zu haben – live, online, in Kommentarspalten, aber seltsamerweise nie selbst sprechen.
Sie reden nicht aus Beobachtung, oder aus Erfahrung, oder gar aus eigenem Denken. Sie reden aus Leihstimmen.
„Hannah Arendt hat gesagt …“
„Schon Sokrates wusste …“
„Wie Herr XY kürzlich bei Lanz erklärt hat …“
Und neuerdings:
„ChatGPT sagt, Hannah Arendt meinte …“
Willkommen in der Endstufe der geistigen Vermeidung.
Ich habe mir dann das Profil eines solchen Exemplars angesehen. Englischsprachig, geschniegelt, geschniegelt leer.
Sätze wie aus einer Motivationsposter-Linkedin-Fabrik:
Amazing, hardworking, meticulous work… true lionesses… great and strong women…
Dann eine Liste von Namen. Unterschiedliche Menschen, unterschiedliche Zeiten, unterschiedliche Inhalte – zusammengeworfen wie Deko-Steine im Blumentopf.
Man versteht das, dort vermutlich mit einer KI geschrieben, nicht.
Aber nicht, weil es Englisch ist, sondern weil absolut nichts gemeint ist.
Das ist kein Text.
Das ist maximal soziales Räuspern.
Diese Leute haben keine eigene Position, sie haben Referenzen.
Keine eigene Meinung, sondern nur Name-Dropping.
Kein eigenes Urteil, sondern maximale Absicherung.
Wenn sie antworten, antworten sie nicht selbst.
Sie lassen antworten.
Maschinen, Philosophen, Talkshow-Gäste, Tote, Halb-Prominente Hauptsache, nur nicht sie.
Das Denken wird ausgelagert wie ein Callcenter.
Das Absurde:
Sie halten das für intellektuell.
Dabei ist es das Gegenteil.
Denn sobald du sagst:
„Ich sehe das so” stehst du natürlich nackt da.
Angreifbar. Widerlegbar. Verantwortlich.
Wer aber sagt:
„XY hat gesagt …“
ist nur der kleine Bote.
Und Boten tragen keine Schuld.
Das ist der wahre Grund für diese Zitat-Seuche:
Angst vor Verantwortung!
Ironischerweise hätte genau jene Hannah Arendt, die sie ständig vor sich hertragen, diese Leute seziert wie einen Bürokratie-Fall.
Sie sprach von Denken ohne Geländer.
Diese Typen klammern sich ans Geländer wie Ertrinkende.
Sie zitieren Arendt, um genau das zu vermeiden, was sie fordert:
“Selbst zu urteilen”.
Heute nennt man das dann Diskurs.
In Wahrheit ist es nur “geistige Untermiete”.
Und das Tragische:
Sie merken nicht einmal mehr, dass sie eigentlich schweigen, während sie vorgeben zu sprechen.
Kurzfassung:
Das sind keine kritischen Denker.
Das sind nur simple Zitat-Zombies.
Viel Text, aber keine Stimme. 😜
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