Oder: Wie man sich freiwillig abzocken lässt und dabei auch noch lacht.
Früher war ein Burger ein Ereignis.
Heute ist er ein Test, wie weit man dich treiben kann.
In den 90ern bist du in den USA in ein ordentliches Lokal gegangen, hast 6–8 Dollar hingelegt und ein Ding bekommen, das aussah, als hätte jemand versucht, ein kleines Schwein inklusive aller Beilagen zwischen zwei Brothälften zu stopfen. Fett, Saft, maximales Chaos. Du warst danach nicht nur satt, du warst erledigt. Kleidung ruiniert, Hände unbrauchbar, Tisch ein Schlachtfeld. Aber du wusstest: Das war’s wert.
Nach der Jahrtausendwende schwappte die Burgerindustrie natürlich auch nach Europa rüber und nun bekommst du überall deinen Burger. Anfangs noch mit dem selben Elan und Größen wie in den USA, mittlerweile ist das Ganze nur mehr ein: Wie zocke ich die Leute maximal mit billigem Fraß aber Hochglanzfasade ab.
Heute bekommst du auf der Skihütte einen mittelgroßen Burger, kunstvoll auf einen Schieferstein drapiert – damit er größer wirkt – mit sieben Pommes, die aussehen wie Deko aus einem Möbelkatalog. Preis: 24,50 €. „Für den Preis bekommst du früher ein richtiges Essen. Heute bekommst du Fett, Mehl, Sauce, Industriegurke und irgendwas lappiges dazwischen.
Dazu ein Bier um schlappe 6,80 €.
Gezahlt wird kontaktlos, damit der Schmerz nicht merkt, dass er existiert. Dein Geld verschwindet, bevor dein Gehirn Zeit hat, Einspruch zu erheben.“
Und niemand sagt etwas.
Der moderne Mensch und seine Designer-Käfige
Die gleiche Generation, die sich auf 30 Jahre verschuldet, um eine Küche um 20.000 Euro zu besitzen, die nie benutzt wird, erklärt dir ernsthaft, dass 27 Euro für einen Burger „eh okay“ sind.
Die Küche ist ein Statement, das Essen eine Nebensache.
Gekocht wird nicht.
Gefühlt wird.
Bezahlt wird automatisch.
Der Burger ist nicht mehr Essen.
Er ist ein Identitätsaccessoire.
McDonald’s: Vom Billigfraß zum Schrumpfkurs
Früher wusstest du: McDonald’s ist billig, schnell, ehrlich schlecht. Deal klar.
Heute ist der Wrap um ein Drittel kleiner, ein Viertel teurer und alle tun so, als wäre nichts passiert.
Das ist kein Betrug.
Das ist Erziehung.
Man testet:
– Geht noch kleiner?
– Geht noch teurer?
– Merkt’s wer?
Antwort: Nein.
Weil man gelernt hat, dass Vergleichen unhöflich ist.
Die Skihütte als Endgegner der Vernunft
Am Hochkönig (Skigebiet in Salzbrg) sitzen in einer Skihütte 15-Jährige, zahlen 30 Euro für ihr Designer- Burger Menü mit dem Handy und schauen dich an, als wärst du der Spinner, weil du fragst, ob das noch normal ist.
Normal ist alles, was alle machen.
Abnormal ist nur, wer es wagt nachzurechnen.
Die Hüttenwirte sind dabei gar keine Bösewichte. Die sind nur ehrlich:
„Die zahlen’s eh.“ Und warum auch nicht?
Wenn niemand protestiert, wäre Verzicht ja fast unmoralisch oder?
Warum alle brav mitmachen
Weil Aufregen Energie kostet.
Weil Vergleichen anstrengend ist.
Weil Eingestehen, dass man abgezockt wird, peinlicher ist als Abgezocktwerden.
Also sagt man:
- „Ist halt so.“
- „Ist ja Qualität.“
- „Gönn’s dir.“
Und merkt nicht, dass man sich nicht gönnt, sondern nur daran gewöhnt.
Kennen wir dieses Verhalten nicht schon von irgendwoher? 😉
Der wahre Witz an der Sache
Die gleichen Leute, die bei symbolischen Themen laut werden, akzeptieren reale Verschlechterungen und Schrinkflation völlig geräuschlos.
Sie kämpfen für Schlagworte und verlieren beim Alltag.
Der Burger ist nur der Spiegel.
Das eigentliche Menü besteht aus:
- weniger Leistung
- mehr Preis
- null Widerstand
Serviert mit einem guten Gefühl.
Schlussgang
Niemand zwingt dich.
Du rennst freiwillig.
Nicht, weil du dumm bist, sondern weil Bequemlichkeit heute als Reife und Erfolg verkauft wird und Verzicht als persönliches Scheitern gilt.
Das Problem ist nicht der Preis.
Das Problem bist du.
AMEN.
Wenn dir der Artikel gefallen hat, dir ein Schmunzeln, Kopfschütteln oder einen kleinen Nervenzusammenbruch beschert hat – genau so war’s geplant.
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