Der stumme Tanz der System-Deppen

Ing. Anton Kern aus Graz hat im Zeitungsarchiv gewühlt und die unbequeme Wahrheit ausgegraben: 1990 kostete das Wiener Schnitzel umgerechnet 6 Euro. Heute zahlt man dafür 16 bis 19 Euro. Das entspricht einer Steigerung von satten 170 %.

Jetzt könnte der naive Bildungsbürger meinen: „Naja, das Geld geht halt an die armen Bauern, die Inflation schlägt zu!“

Doch die Realität schlägt dem Konsumenten direkt mit der Faust in die Fresse:

  • Die Erzeugerpreise für die heimischen Schweinebauern sind im selben Zeitraum um mehr als 20 % GESUNKEN.
  • Der Bauer bekommt weniger Geld als vor 30 Jahren, muss aber das Zehnfache an bürokratischen Tierwohl-Auflagen abarbeiten.
  • Wo das Geld stattdessen hinfließt? Unter anderem in die Gehälter der Politiker und Minister, die im selben Zeitraum um fast 90 % angestiegen sind.

Die Große Mathe-Lüge: 1.800 Euro Pension vs. 900 Euro Miete

Wenn man heute mit den Leuten im echten Leben diskutiert und ihnen vorrechnet, dass in den 90er-Jahren ein Filetsteak mit Beilage und Spiegelei 120 Schilling (ca. 9 Euro) kostete und das Teuerste auf der Karte war, oder sie daran erinnert, was ein Auto oder eine Mietwohnung damals „nur“ gekostet hat, passiert etwas Faszinierendes:

Sie verteidigen ihre eigene Entmachtung. Es wird maximal relativiert und du wirst als unfähig zum Rechnen umetikettiert.

Dabei ist die Rechnung doch simpel:

  • Wer in den 90ern 25.000 Schilling (ca. 1.800 Euro) verdient hat, hat für seine Wohnung vielleicht 150 bis 200 Euro warm bezahlt. Das Essen in den vielen Wirtshäusern war bezahlbar, das Schnitzel kostete 6 Euro.
  • Heute geht dieselbe Person mit 1.800 Euro netto oder Pension nach Hause. Allein die Miete frisst 900 Euro. Und für den Teller Panier im Gasthaus drückt man fast einen Zwanziger ab. Von den aktuellen Autopreisen oder Eigenheimpreisen fang ich gar nicht an.

Verkauft wird dir das Ganze von einer Armada an willfährigen Sprachakrobaten, damit der Durchschnittsbürger die Abzocke nicht mitbekommt.

Die Sprachakrobatik der Edel-Gastronomen: Wie man ein 6-Euro-Schnitzel zum VIP-Gericht hochlügt

Damit der Gast beim Blick auf die Rechnung nicht sofort einen Herzinfarkt erleidet, wird ihm das Essen auf der Speisekarte nicht mehr als Gericht serviert, sondern als „Kulinarisches Erlebnis“. Speziell in den vollgestopften Touristenecken und den typischen Bobo-Vierteln der Großstädte läuft diese sprachliche Volksverdummung für Millennials und Gen Z auf Hochtouren:

  • Das Wiener Schnitzel: Heißt heute „Tranche von der freilaufenden Bio-Kalbskeule in der goldenen Butter-Semmelbrösel-Kruste, an handverlesener Preiselbeer-Reduktion und lauwarmem, erdigem Erdäpfelsalat mit Kürbiskernöl-Infusion“. 👉 Die Wahrheit: Es ist immer noch ein dünn geklopftes Stück Fleisch in Mehl, Ei und Bröseln, das fünf Minuten in der Fritteuse lag.
  • Die Frittatensuppe: Wird umgedichtet zu „Essenz vom heimischen Weiderind mit feinen Kräuter-Crêpe-Streifen“. 👉 Die Wahrheit: Rindssuppe mit geschnittenen Palatschinken. Costo: 40 Cent. Verkaufspreis: 8,90 Euro.
  • Der Schweinsbraten: Verkauft sich als „Slow-cooked Schweinebauch im Biersud-Glaze auf hausgemachtem Kraut-Relish“.
  • Das Bauernbrot mit Schmalz: Mutiert plötzlich zum „Omas Sauerteig-Brot-Experience mit geschlagener Schweineschmalz-Emulsion und Meersalz-Flocken“ für 12,50 Euro als Vorspeise.
  • Der einfache Salat: Ist das „Beet an knackigen Pflücksalaten der Saison mit hausgemachtem Vinaigrette-Cuvée“.

Das Elend der „Foodies“

Sie fotografieren dieses aufgeblasene Wort-Karussell mit dem Smartphone, laden das 35-Euro-Schnitzel mit drei Herzchen-Emojis auf Facebook oder Instagram hoch und glauben fest daran, sie gehören zur feinen Elite im besten Austria ever… 👍🙏❤️

Es ist das Endstadium der kognitiven Dissonanz: Man lässt sich vom Gastronomen und dem Finanzsystem melken bis auf die Knochen, kriegt im Grunde dasselbe Schnitzel wie vor 30 Jahren (nur mit dreimal so viel Wort-Lama drumherum) und feiert diese absolute Abzocke auch noch stolz als den eigenen Lifestyle.

Wenn dann ein alter, weißer, cis-hetero, normativer Mann wie ich es noch wagt darauf hinzuweisen, dass das reines Marketing-Theater ist, um der Kaufkraft-Ruine einen luxuriösen Anstrich zu geben, gilt man als „neidischer Miesmacher“. Weil die Wahrheit die mühsam erkaufte Selbsteinschätzung stören würde.

Fazit: Das Endstadium der freiwilligen Knechtschaft

Solange der Bürger strammstehend 35 Euro für ein Schnitzel abdrückt und das überkandidelte Phrasen-Futter stolz ins Netz ballert, während der heimische Bauer pleitegeht, die Politik sich 90 % Gehaltserhöhung gönnt und das Analog-Fleisch im Kühlschiff aus Südamerika anrollt, läuft die Verdummungsmaschinerie wie ein Schweizer Uhrwerk.

Das ist kein Pech, das ist gelebter Stockholmer-Syndrom-Lifestylismus: Die Herde lässt sich melken, zahlt für die eigene Entmachtung in Raten – und bedankt sich beim Schlachter noch mit einem Like und fünf Sternen auf Google.


Wenn dir der Artikel gefallen hat, dir ein Schmunzeln, Kopfschütteln oder einen kleinen Nervenzusammenbruch beschert hat – genau so war’s geplant.

Falls du solchen Wahnsinn öfter möchtest, kannst du den Strafplaneten hier ganz offiziell unterstützen und nichts mehr verpassen:

Abo dalassen und mitfliegen.
Und, du kannst mir gerne auch einen Kaffee spendieren.

Zeig anderen auch diesen Irrsinn!

Tom Weber

Tom Weber – Beruf: Störenfried. Diagnose: chronisch allergisch gegen Heuchelei, Doppelmoral und staatlich geprüften Schwachsinn. Schreibt auf dem Strafplaneten über alles, was im offiziellen Irrenhaus als „normal“ gilt – und daher dringend untersucht werden muss

Post navigation

Leave a Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert